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 [DXXIII a.u.c.] Der Liebling der Venus | Rom

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Lamia Lacrima
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BeitragThema: [DXXIII a.u.c.] Der Liebling der Venus | Rom   05.06.15 2:46

"Ich halte das wirklich für keine gute Idee", mischte sich nun auch Tiberius Iúlius Lucanus in das Gespräch ein.
"Großvater, es tut mir leid, aber ich sehe das ganz so, wie Vater und Merula. Sie ist zu jung."
"Ach Unsinn!", erwiderte das Familienoberhaupt, Gaius Iúlius Maximus bestimmt.
"Lucanus, deine Mutter war im gleichen Alter, als ihr Vater begonnen hat, nach einer günstigen Verbindung zu suchen und hat es ihr geschadet? Nein, sie ist heute eine der angesehendsten Frauen Roms. Das kannst du deiner kleinen Schwester doch nicht verwehren wollen!"
"Wir wollen ihr gar nichts verwehren, Großvater!"
Merulas Blick war hitzig und seine Stimme war während der ganzen Diskussion immer leidenschaftlicher geworden, denn im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Lucanus, hatte er sich von Anfang an eingemischt.
"Aber du musst doch zu geben, dass sie noch nicht reif genug für die Ehe ist. Iúlia prügelt sich lieber mit Jungen, statt sich für sie hübsch zu machen."
"Na ja, diese bestimmten Gören haben es aber auch nicht anders verdient", gab der Großvater nun schmunzelnd zu.
"Siehst du? Und du könntest sie doch auch jetzt nicht gehen lassen. Iúlia ist zwölf Jahre alt, nur weil sie körperlich eine Frau ist, heißt das nicht, dass sie auch bereits in die Rolle einer solchen schlüpfen kann. Und davon abgesehen müsste es schon ein ausgesprochen guter Mann sein, der sie bekommt. Kaum jemand hat sie verdient", fuhr der ältere Bruder fort.
"Unsere Iúlia ist ein Geschenk der Götter. Keiner, der bei Verstand ist, würde ein solches Geschenk allzu leichtfertig weggeben. Iúlia ist klug und geschickt, wenn sie sich mal weibliche Tugenden beibringen lassen würde, ihre Sturheit ist ihr einziger Fehler, aber auch die Götter sind eigensinnig, es entspricht also ihrer Natur, dass ihre Gaben dem ebenfalls entsprechen müssen. Du weißt, dass sie in den höheren Künsten Lucanus und mir ebenbürtig ist - wer hat schon eine Tochter, die ihren Mann derart unterstützen kann, wie unsere Iúlia das könnte? Und schlussendlich kann man jetzt schon sehen, dass sie einmal eine wunderschöne Frau sein wird. Über Verstand und Schönheit verfügt sie also schon, aber es gibt noch genug, was sie lernen sollte. Lass ihr dafür genug Zeit und die Bewerber werden sich um sie bekriegen."
"Ich fürchte nur, dass die besten Bewerber bereits weg sind, wenn sie so weit ist. Wir sollten schnell handeln", gab der Großvater wieder zu bedenken, allerdings klang er wesentlich einlenkender als vorher.
"Nur die Ruhe, Vater. Du brauchst jetzt nicht dringend eine Allianz, also hebe dir diese Möglichkeit für später auf. Und bis dahin strengen wir uns alle an, um aus Iúlia das bezauberndste Geschöpf Roms zu machen. Sie ist der besondere Liebling unserer göttlichen Mutter Venus. Ich bin mir sicher, wenn man sie nun häufiger in der Öffentlichkeit sieht, kommen die Anfragen bald von ganz allein", schlug Gaius Iúlius Curio vor, der Vater von Merula und Lucanus, sowie von Iúlia.
Maximus nickte leicht und seufzte leise.
"Nun gut, ich hoffe ihr habt Recht. Ja, doch, sicher hast du recht, mein Sohn, wenn du sagst, dass die Anfragen von selbst kommen werden. Ich sehe die größte Schwierigkeit darin, Iúlia zu weiblichen Tugenden zu animieren, statt sich wie ein Straßenkind mit diesen Lümmeln zu prügeln. Aber sie hat ein Feuer in ihrem Herzen, das gerade für die Schwächeren entbrennt, in diesem Fall Tiere. Versuchen wir, sie eher in der Villa zu behalten. Sie soll nicht mehr zu solchen Dingen wie dem Einkauf mit kommen. Das gehört sich ohnehin nicht. Man könnte meinen, wir hätten eine sittenlose Barbarin hier."
"Ich werde eine Sklavin besorgen, die sich um sie kümmert. Dann kann sich Linus auch wieder auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren und muss nicht noch Iúlia beschäftigen", beschloss Merula und wandte sich zum Gehen. Es war eine Einigung getroffen worden.



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Lamia Lacrima
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BeitragThema: Re: [DXXIII a.u.c.] Der Liebling der Venus | Rom   06.06.15 0:34

"Etwas weiter nach rechts ... nein, nein, das ist zu weit, nur einen Tick. Was ist denn bei dir ein Tick, Bembario?", fragte Iúlia seufzend und ließ sich in einen der Sessel fallen. Das Seufzen, das sofort erklang, ließ die Zwölfjährige die Augen verdrehen.
"Ja ja, Tania, ist ja schon gut. Ich weiß, eine Dame von Stand lässt sich nicht so in einen Sessel fallen. Sie erhob sich übertrieben anmutig und ließ sich dann wieder theatralisch, aber ebenso anmutig, wieder in den Sessel sinken.
"Fast perfekt, du müsstest allerdings noch auf deine Haltung im Sitzen achten, Herrin", meinte die Sklavin neben ihr schmunzelnd. Tania war ihr einen Tag vorher vorgestellt worden. Ihr Bruder Merula hatte sie angeschleppt. Er hatte sich bei befreundeten Familien umgehört und nach einer Sklavin gesucht, die bisher eher untergeordnete Tätigkeiten für ihre Herrin erledigt hatte, aber gleichzeitig genug mitbekommen hatte, um seiner kleinen Schwester eine "Stütze in dieser umwälzenden Zeit des Erwachsenwerdens" zu sein. Netter konnte man "Ich brauche jemanden, der aus einem wilden Löwen ein zahmes Kätzchen macht" wohl nicht umschreiben.
Iúlia setzte sich seufzend auf. Sie war es absolut nicht gewohnt, dass eine Sklavin auf diese Art mit ihr sprach. Und vermutlich hätte sie sie auch entschieden zurecht gewiesen, hätte sie nicht über den Grund bescheid gewusst. Tania hatte von ... vermutlich dem Rest ihrer Familie den die Anweisung bekommen, sie auf solche Dinge hinzuweisen. Und sie tat es nicht unhöflich, sondern sehr respektvoll. Um Genau zu sein erinnerte ihr Ton sie sehr an den freundschaftlich vertrauten Ton, den die Sklavin ihrer Mutter mit dieser anschlug. Es war der Ton, den jede vertraute Sklavin mit ihrer Herrin, einer erwachsenen Frau, teilte. Und das widerum schmeichelte Iúlia etwas. Tania behandelte sie wie eine erwachsene Frau. Ja, vielleicht war sie dazu angewiesen und vermutlich hätte Iúlia sich ihre Vertraute lieber selbst ausgesucht, aber bisher hatte sie keinen Grund, die Wahl ihres Bruders zu kritisieren.
Iúlia richtete sich seufzend auf, stellte ihre Füße eng nebeneinander auf den Boden, zupfte etwas an ihrer Tunika, richtete ihren Oberkörper auf, legte die Hände in den Schoß und blickte stolz und aufmerksam gerade aus.
"So, ungefähr?", fragte sie Tania. Die Sklavin raffte ihr Gewand und kniete sich vor sie, den Kopf demütig gesenkt.
"Wenn nicht jeder wüsste, dass Rom die Könige verjagt hat, müsste man dich für eine Prinzessin halten, junge Herrin."
"Nun, Tania, aber es gibt zum Glück keinen König mehr. Lang lebe die Republik", antwortete Iúlia, musste aber ein klein wenig lächeln. Sie sah wieder zu den Sklaven, die den Webstuhl nun ... irgendwie in dem Säulenrundgang um den Hortus abgestellt hatten. Ein resignierendes Seufzen entglitt Iúlia und sie stand auf.
"Ja, gut, dann lassen wir es so, ihr könnt gehen", wies sie die beiden an, die nickten und davon gingen.
"Und ich muss das lernen?", fragte Iúlia lustlos und stupste eines der Gewichte an, das die Fäden nach unten zog.
"Selbstverständlich, Herrin. Das Weben ist eine wichtige weibliche Tugend. Du beherrschst diese ganzen männlichen Dinge besser als die meisten Männer, wurde mir gesagt, solange du das nicht allzu offen zeigst, schickt sich das auch für eine Dame von Stand, das bedeutet, dass du belesen bist, schön und gut, aber eine Adlige, die über Fertigkeiten von Männern besser verfügt als Männer, jedoch nicht über die leichtesten weiblichen Fertigkeiten? Die wird nicht bewundert, sondern ausgelacht. Welcher Mann heiratet schon eine solche Frau?"
"Ein Mann, der mich gerade deswegen liebt."
"Herrin, seid nicht albern. Keine Ehefrau liebt ihren Ehemann bei der Heirat. Liebe kommt erst später, das ist etwas, worum man sich bemühen muss. Jedenfalls die Frau, Männer lieben von Anfang an, aber Männer lieben auch anders."
"Und deshalb, damit Männer uns Frauen lieben können, müssen wir uns hübsch machen, ich verstehe", kommentierte Iúlia zynisch.
"Nun, da Männer so nicht lieben können, sollten Frauen vielleicht nur Frauen lieben?"
Tania lachte leise und begann, die Fäden am Webstuhl zu richten.
"Nun, es steht dir natürlich frei, Frauen zu lieben, so viel zu möchtest, Herrin. Aber erst, wenn du verheiratet bist."
Iúlia verdrehte die Augen - einmal mehr an diesem Tag - und legte sich auf den Rücken.
"Herrin", erklang da gleich Tanias mahnende Stimme. Iúlia beschloss diesmal sie zu ignorieren. Was wollte sie schon groß machen? Sie dazu zwingen, sich aufzusetzen? Das sicher ni-IHHH!
Iúlia quiekte erschrocken auf und saß senkrecht auf dem Marmor. Tania hatte sie leicht in die Seite gepiekt und hielt ihr nun auffordernd das Schiffchen hin, mit dem sie den Faden zwischen den Fäden hindurch fädeln sollte.
"Wenn du besser wirst, bringe ich dir auch bei, Muster zu weben", bemerkte Tania. Sie sagte es, als wäre das eine Belohnung oder ein Anreiz für Iúlia, sich anzustrengen. Tatsächlich wünschte sie sich, dass sie das mit dem Weben schon hinter sich hätte. Sie hatte, als sie jünger war, hin und wieder zugesehen, wie ihre Mutter und andere Frauen gemeinsam webten und es war unsagbar langweilig gewesen.
Nun konnte sie es aber nicht mehr aufschieben. Sie hatte schon darum gebeten, im Hortus weben zu dürfen, wo genau der Webstuhl stand, war ihr doch eigentlich völlig egal, sie wollte nur nicht anfangen.
Iúlia ließ sich von Tania ein paar Mal zeigen, wie das Weben ging, dann sollte sie es selbst tun, also machte sie sich einigermaßen lustlos ans Werk. Tania wies sie geduldig auf jeden Fehler hin und ertrug ihren Missmut vorbildlich. Na ja, sie war auch schon fast doppelt so alt, wie sie selbst. Andererseits war ihre Geduld aber auch so nervig, dass Iúlia manchmal am liebsten auf sie losgegangen wäre, aber das widersprach ihrer Moral. Tania hatte ihr nichts getan und sie war immer noch ihre Sklavin.
Iúlia stellte bald fest, dass Weben nicht besonders schwierig war. Nur langweilig. Man musste eben darauf achten, dass mal die einen Fäden, mal die anderen vorne waren, aber das ließ sich dank der Stäbe relativ leicht bewerkstelligen. Man musste nur eben dran denken. Und mit der Zeit wurde das routinierter, sodass Tania sie unterbrach und ihr noch andere Gewebearten zeigte.
Nach drei Stunden waren sie allerdings endlich fertig. Iúlia hatte eine kleine Pause, die sie nutzte, um Linus zu suchen. Danach, das hatte Tania bereits angekündigt, würde sie sie mit dem Spinnen drangslieren. Und das klang noch viel nervtötender als das Weben!



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Lamia Lacrima
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BeitragThema: Re: [DXXIII a.u.c.] Der Liebling der Venus | Rom   07.06.15 1:38

"Du hast ja keine Ahnung, wie unfassbar öde das Weben ist!", beschwerte sich Iúlia, als sie in die Küche kam und dort Linus sah, wie er einräumte. Er sah von seiner Arbeit auf und lächelte leicht.
"Du hast recht, ich habe nicht den blassesten Schimmer", antwortete er amüsiert.
"Aber das wird nun mal leider von Frauen erwartet. Vielleicht findest du etwas, was es dir erträglicher macht. Lass dir vorlesen oder Musik vorspielen. Oder sing, ich habe gehört, das wäre auch sehr angesehen."
Iúlia legte den Kopf schräg und nickte dann leicht.
"Ja, das wäre wohl eine Möglichkeit. Ich habe den Webstuhl schon in den Hortus bringen lassen. Innen war es noch deprimierender."
Sie trat näher zu Linus, setzte ein zuckersüßes Lächeln auf und legte den Kopf schräg.
"Mir wäre es dennoch lieber, dich auf den Markt zu begleiten. gibt es da denn gar keinen Weg?"
"Nicht, solange dein Vater und dein Großvater dagegen sind, tut mir leid, Iúlia. Aber ich habe dir etwas mitgebracht."
Er nahm einen Pfirsich aus dem Korb und reichte ihn ihr.
"Von deinem Lieblingsstand. Der Verkäufer hat mich gebeten, dir seine Verehrung zu entrichten. Auf dem Markt wirst du schmerzlich vermisst", erzählte er ihr mit einem leichten Lächeln. ulias Augen strahlten bei dieser Nachricht und sie strich sanft über die weiche haut des Pfirsichs.
"Oh, noch etwas", fiel Linus noch ein und er ging zu einem anderen Körbchen, von dem er ein tuch wegzog. Ein leises Maunzen erklang, woraufhin Iúlia sofort den Pfirsich zur Seite legte und näher trat. In dem Körbchen lagen fünf winzige Fellbündel, die zaghaft blinzelten. Vermutlich hatten sie erst vor kurzem die Augen geöffnet.
"Ihre Mutter wurde von den Jungen von Manius Papius Clepsina zur Tode gefoltert, ich konnte gerade noch die Kleinen hier retten", erzählte er leise.
"Sie werden eine hingebungsvolle Ersatzmutter brauchen, sonst werden sie nicht überleben. Und wer wäre da eher geeignet, als ein Mädchen, das ihre Mutter mit ihren eigenen Fäusten und Zähnen verteidigt hätte, wenn sie dort hätte sein können. Du kümmerst dich doch um sie, nicht wahr?"
"Natürlich!", entfuhr es Iúlia. Sie hatte die fünf Kätzchen bereits in ihr Herz geschlossen. Und würde Tania irgendetwas sagen, dann konnte sie antworten, dass die Fürsorge für die Schwächeren doch sicher auch im Katalog weiblicher Tugenden zu finden war. Wenn nicht, dann war das ein ausgesprochen schwacher Katalog und der Rest nichts wert. Bisher war sie lediglich nicht begeistert gewesen, hatte diesen Unterricht aber anstandslos akzeptiert. Sie wollte sich ihrem Großvater - Iúlia war klar, dass dieser im Grunde entschied - nicht widersetzen, aber wenn es nötig werden sollte, würde sie für ihre Überzeugung einstehen.
Iúlia beschloss, alle Vorkehrungen zu treffen. Sie wies eine Sklavin an, nach einer geeigneten Truhe oder Schachtel zu suchen, die sie mit Stoff gut auspolstern konnte, ein Körbchen, das groß genug für die Kleinen war, wenn sie nicht mehr so klein waren. Sie hatte bereits bei anderen Katzen beobachten können, dass sie bestimmte Angewohnheiten ihrer Jugend beibehielten und sie wollte den Kätzchen genug Platz geben, auch später beieinander schlafen zu können. Dann ließ sie etwas Milch erhitzen. Tania fand sie und wollte sie zum Spinnen bringen, als sie gerade damit begonnen hatte, die Kätzchen nacheinander mit einem in die Milch getunkten Fetzen Stoff zu füttern. Bei ihrer Ansprache, musste Tania einsehen, dass sie Iúlia nun nicht von den Katzen wegbekommen würde, also half sie ihr.
Danach brachten sie das Körbchen mit den Katzen, die gut in eine Decke eingemummelt waren, in den Hortus, wo Tania nun endlich dazu kam, Iúlia das Spinnen zu erklären. Zu Beginn machte sie noch viele Fehler. Mal waren die Fasern nicht verdrillt genug für einen festen Faden, mal hielt sie sich zu lange auf, dann war der Faden zu dick oder zu dünn und riss andauernd ab. Es war nicht nur sterbenslangweilig, sondern richtig piesackend. Allerdings hatte Tania eine andere Möglichkeit gefunden, ihre Schülerin anzuspornen. Sie schlug ihr vor, dass sie für ihre Katzen Kinder eine Decke anfertigen konnte - aus selbst gesponnenem Faden und natürlich selbstgewebt. Vielleicht auch mit einem Muster, aber das Färben solle sie einem anderen überlassen, das wäre nichts für Damen.
Und das lockte Iúlia wirklich. Die schutzbedürftigen Kätzchen in ihrer Obhut weckten eine sehr fürsorgliche Seite in ihr. Und schlussendlich, als sie einigermaßen im Spinnen drin war, begann sie zu singen. Diesmal weniger, weil ihr langweilig war - die Gedanken an die kleinen Kätzchen vertrieben ihre Langeweile -, sondern weil sie den Findelkindern vorsingen wollte. Sie hoffte, dass es sie mit ihrer Stimme vertraut machte und vielleicht beruhigte.



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BeitragThema: Re: [DXXIII a.u.c.] Der Liebling der Venus | Rom   08.06.15 1:41

Nach dem Spinnen kamen Dinge, die Iúlia besser gefielen. Musizieren, Lesen, Gedichte schreiben, Konversation ... Das waren nun Dinge, die ihr mehr zusagten. Tania hatte auch bereits angedeutet, ihr bestimmte Frauendinge zu erklären, aber das nicht im Hortus, sondern später in ihrem Zimmer. Und am nächsten Tag sollte ein Tuchhändler, ein schneider und ein Schmuckverkäufer kommen, um sie neu einzukleiden. Und Merula hatte bei seinem kurzen Besuch auch angedeutet, dass er sie bald mit zu den Spielen nehmen würde und ins Theater und wenn sie sich gut machte, würde er ihr wohl auch einen guten Platz beim nächsten Triumphzug besorgen. Bei einem Triumphzug! allein die Vorstellung machte Iúlia schon sehr aufgeregt und weckte ihren Ehrgeiz.
Mit dem Herzen war sie aber nur bei all diesen Dingen dabei, weil sie auch immer wieder um die Kätzchen kümmern und auf sie achten konnte. Dabei bemerkte sie auch nicht, wie in einer ihrer Pausen Linus in der Nähe an einer Säule lehnte und sie beobachtete.
"Ich wusste, dass das mit den Kätzchen eine gute Idee war", bemerkte Lucanus leise. Er war zu dem Angestellten heran getreten.
"Sie hat deine kleine Lüge geglaubt?"
Linus nickte.
"Ja, das hat sie. Du hattest Recht, Herr, die Aufgabe, sich um die Kätzchen zu kümmern hat sie wohl deutlich fügsamer gemacht."
"Höre ich da leichte Kritik heraus?"
Lucanus zog seine Augenbrauen hoch und musterte Linus aufmerksam. Der zögerte kurz.
"Weniger Kritik und viel eher Bedenken, Herr", antwortete er schließlich.
"Und die sind es nicht wert, geäußert zu werden."
"Das würde ich gern selbst entscheiden. Linus, du bist ein guter Mann und nur ich bin hier, um deine ... Bedenken zu hören. Du kannst frei mit mir sprechen", antwortete Lucanus ruhig und sah Linus aufmerksam an, der nun leise seufzte.
"Herr, du weißt, dass mir deine Schwester sehr am Herzen liegt, wie jedem anderen in diesem Haus auch. Und da sie sehr viel Zeit mit mir verbracht hat,l kann ich auch sagen, dass ich sie relativ gut kenne. Und deswegen hege ich Bedenken, ob sie mit einer Ehe glücklich werden würde. Als sie noch zu klein war, um zu wissen, dass Frauen keine öffentlichen Ämter übernehmen können, hat sie immer erzählt, dass sie in den Senat wolle. Ich befürchte, dass sie durch eine politische Heirat unglücklich werden würde", gab er schließlich kleinlaut zu. Es gehörte sich eigentlich nicht, auf eine solche Art mit einem Patrizier über dessen kleine Schwester zu sprechen.
"Ich gebe dir recht, ich habe ähnliche Bedenken", erwiderte Lucanus jedoch und beobachtete Iúlia, die den Kätzchen Gedichte vorlas.
"Wenn es nach mir ginge, würde sie vermutlich nie heiraten. Wie könnte irgendein Mann jemals gut genug für sie sein? Und läge es in meiner Macht, würde ich persönlich dafür sorgen, dass sie Senator werden kann und ich weiß, dass Merula das ebenso sieht. Sie ist wirklich ein Geschenk der Venus. Sie ist gesegnet mit Schönheit und der Liebe aller um sie herum. Sieh dir nur die Kätzchen an! Als ich sie dem Bäcker abgekauft habe, als er sie im Tiber ertränken wollte, waren es ganz schreckhafte, ängstliche Wesen. Sie kennen Iúlia erst seit wenigen Stunden und scheinen ihre richtige Mutter bereits vergessen zu haben. Sieh nur, wie die kleinen Wesen um ihre Aufmerksamkeit wetteifern. Es fällt wirklich leicht, sie zu lieben. Und mir gefällt der Gedanke, dass ein anderer Mann kommen und sie aus diesem Haus fortnehmen könnte, so ganz und gar nicht. Das wäre wie ein verregneter Sommer, als wäre der Nachthimmel des Mondes und aller Sterne beraubt. Als gäbe es keine Farben mehr auf der Welt. Vermutlich ist es sehr selbstsüchtig von mir, sie hier behalten zu wollen. Großvater meinte, eine Heirat wäre auch für sie wichtig, sie wäre definitiv angesehener als jetzt. Vermutlich bin ich kein guter Bruder, weil mir das gleich ist. Was, wenn dieser Mann nicht gut zu ihr wäre oder sie nicht zu schätzen wüsste? Ich ertrage solche Gedanken kaum. Der einzige Mann, den ich vielleicht irgendwie akzeptieren könnte, wäre einer, der den boden unter ihren Füßen küsst, sie wie ihre Vorfahrin, die Göttin Venus, verehrt und ihr nicht nur Rom, sondern die gesamte Welt zu Füßen legt. Jemand, der genug Geld dafür hat und vielleicht auch die Macht, sie das Leben leben zu lassen, das sie sich wünscht. Und, der es natürlich schafft, ihre Zuneigung zu erringen. Das ist der wichtigste Punkt. Und daran wird es auch schon scheitern, denn niemand wird das Herz meiner Schwester jemals so erobern können, wie diese kleinen Kätzchen dort."
Lucanus blinzelte leicht und sah mit einem freundlichen Lächeln wieder zu Linus.
"Du siehst also, Freund, dass ich deine Bedenken nicht nur teile, ich gebe ihnen wohl auch mehr nach als du. Es ist nur frustrierend, dass weder du noch ich es werden verhindern können, dass sie heiratet. Merula und ich werden Großvater bearbeiten, damit er ihr so viel Mitsprache wie nur möglich gewährt. Es könnte allerdings gut sein, dass wir in ein oder zwei Jahren wieder mit Heiratsplänen konfrontiert werden."
Lucanus nickte dem Bediensteten nochmals freundlich zu und ging dann.



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BeitragThema: Re: [DXXIII a.u.c.] Der Liebling der Venus | Rom   19.06.15 2:01

Iúlia war unglaublich froh, als der Unterricht endlich beendet war. Sie holte in der Küche bei Linus ein wenig Milch für die Kätzchen und erzählte ihm lebhaft von ihren Schützlingen und dem Unterricht. Dabei aß sie auch einen der Pfirsiche, die er ihr mitgebracht hatte und warf dann den Kern in das Küchenfeuer.
Dann war sie auch schon wieder im Garten bei ihren kleinen. Tania beaufsichtigte derweil ein paar Sklaven, die Truhen, Stühle und einen Tisch hergetragen hatten.
"Wozu dieser große Aufriss? Tania, es reicht doch, wenn wir nach und nach Sachen aussortieren. Morgen soll ja ein Schneider und ein Schmuckverkäufer und vermutlich noch zig andere Leute kommen, die wohl nur von Frauen gebraucht werden."
"Wenn du denkst, dass nur Frauen Schmuck, Kleidung, Kosmetik und Düfte kaufen, dann irrst du, Herrin", bemerkte die Sklavin. Sie hatte sich bereits innerhalb eines Tages daran gewöhnt, wie sie mit Iúlia sprechen sollte.
"Ich will heute bereits die schlimmsten Dinge aussortieren und sehen, was dir von den Sachen vielleicht doch gut steht. Du bist eine Frau, also solltest du dich auch so kleiden und da das zu meinen Aufgaben gehört, werde ich dafür sorgen", erklärte Tania und runzelte missbilligend die Stirn, als Iúlia sich neben den Katzenkorb ins Gras setzte. Das Mädchen funkelte sie bockig an, also blieb es bei der gerunzelten Stirn und sie konnte in Ruhe eine Decke über ihre Beine legen und die Kätzchen vorsichtig darauf setzen. Sie hatte sich auch schon Gedanken über Namen gemacht. Eine Kleine hatte ganz weißes Fell bis auf hübsche rote Fellzeichnungen an der Brust, den Vorderpfoten, der Schwanzspitze, den Ohren und der Stirn. Sie wollte sie Vesta nennen, wie die Göttin des Feuers. Eine andere, die noch grau aussah, bei der die weiße Fellfarbe aber bereits abzusehen war, wollte sie Venus nennen. Dann war da noch ein kleiner roter Raufbold, der auch sofort den Namen Mars erhalten hatte, ein graues, kräftiges Kerlchen, das sie Jupiter nannte und ein ebenfalls graues, schlankes und ruhiges Weibchen, das sie Minerva nannte, weil sie feine schwarze Zeichnungen am Kopf hatte, die aussahen wie ein Helm. Es fehlten zwar noch ein paar, aber sie hatte schon den halben Olymp da. Sie sollte noch mehr Kätzchen aufnehmen, am besten alle mutterlosen Kätzchen der Stadt! Iúlia wollte sich um sie alle kümmern!
Unweigerlich schlich sich die Vorstellung, die die Kätzchen über Tania und ihre Mutter tobten in ihre Vorstellung und Iúlia musste laut auflachen.
"Ich wusste nicht, dass meine Frage so lustig war", stellte die Sklavin fest, während sie kopfschüttelnd in die Truhen sah.
"Tut mir leid, ich hab gerade gar nicht zugehört. Ich habe mir vorgestellt, dass das ganze Haus voller Kätzchen wäre und sie auf dir und Mutter herumtoben."
Tania sah irritiert auf.
"Das ist ja eine grauenhafte Vorstellung. Wie kommst du nur auf solche Ideen, Herrin?"
"Ich hab mir überlegt, dass ich ja schon den halben Olymp hier habe, wenn wir hier alle mutterlosen Kätzchen der Stadt aufnehmen würden, würde ich mich um die kleinen Würmchen kümmern und sie würden alle nach Göttern benannt werden. An anderen Orten verehrt man andere Götter, die würde ich auch berücksichtigen. Nur, weil wir noch nichts von diesen Göttern wissen, heißt das schließlich nicht, dass sie nicht doch existieren und in unser Leben eingreifen. Sie hätten genauso ein Recht darauf, dass ein Kätzchen ihren Namen trägt, wie Jupiter, Mars, Vesta, Venus und Minerva."
Tania blickte nun so fassungslos, dass Iúlia amüsiert auflachen musste.
"Kind, das ist schlimme Gotteslästerung, was du da tust! Du kannst doch keine Kätzchen nach den Göttern benennen!", flüsterte sie erschrocken. Iúlia legte den Kopf schief.
"Natürlich kann ich das. Und ich weiß, dass die Götter er mir nicht übel nehmen werden. Sie wissen, dass ich das nicht tue, weil ich sie beleidigen will, sondern weil ich sie so sehr liebe. Und ich liebe auch diese Kätzchen so sehr. Wenn ich den Kätzchen also Namen der Götter gebe, dann tue ich das aus Respekt und Liebe zu den Göttern und weil ich sie damit ehren will. Als mein Vater nach meinem Großvater und mein Bruder nach meinem Vater benannt wurde, tat das schließlich auch niemand, um einen von ihnen zu beleidigen, obwohl mächtige, stattliche Männer ihren Namen nun mit einem hilflosen Säugling teilen mussten."
"Aber das waren wenigstens ebenfalls Menschen und sie waren mit ihnen verwandt!"
Iúlia musste leicht lächeln und sie sah wieder zu ihren Kätzchen. Venus leckte ihr hingebungsvoll über die Hand und saugte dann an ihren Finger.
"In meinem Herzen bin ich auch mit diesen Kätzchen verwandt. Jupiter nahm die Gestalt eines Stiers an, um Europa zu verführen. Niemand kann mir sagen, dass die Götter nicht auch in die Gestalt von Katzen schlüpfen können. Oder in die von Kätzchen, um zu prüfen, wer sie auch in dieser vergleichsweise schwachen Form von ganzem Herzen liebt. Die Vereherung der Götter in ihrer machtvollen Form ist nichts wert, wenn man sie nicht genauso verehrt, wenn sie eine schwache, hilfsbedürftige Form annehmen. Und schau an, Venus ist meine Stammmutter und ich bin nur ein Mensch und dennoch berufe ich mich auf sie. Diese Kätzchen sind nicht weniger wert. Sie gehören zu dieser Familie, genauso wie du, Tania. Wenn du nicht bereit bist, diesen Kätzchen den gleichen Respekt entgegen zu bringen, wie mir, dann kann ich dir nicht vertrauen, denn das sagr viel über dich aus. Es sagt, dass du dich für besser hältst als diese Wesen, die ich liebe und die unter meinem Schutz stehen. Niemand kann eine Sklavin gebrauchen, die sich selbst zu wichtig nimmt. Ich bin gerne bereit, von dir zu lernen und ein enges Vertrauensverhältnis zu dir aufzubauen, Tania, aber ich tue das zu meinen Bedingungen, nicht zu deinen, denn ich bin deine Herrin und du meine Sklavin. Haben wir uns da verstanden?", fragte Iúlia ernst und sah Tania fest an. Es war ausgesprochen selten, dass sie so auftrat, wenn sie es dann aber tat, wirkte sie trotz ihrer Jugend umso furchteinflößender, was wusste Iúlia und sie sah auch, wie Tania etwas blass wurde, hart schluckte und schnell nickte.
"Natürlich, Herrin. Bitte verzeih mein Benehmen."
"Ich sehe darüber hinweg. Du hast es nicht wirklich böse gemeint, du hast nur nicht wirklich über deine Worte nachgedacht. Da du erst seit heute mit mir zu tun hast, ist das ein kleiner Ausrutscher, nicht mehr. Ich bin mir sicher, dass es nicht wieder vorkommt", antwortete Iúlia ruhig. Sie tunkte wieder ein Stück Stoff in die Milch und fütterte dann die Kätzchen. Anschließend kuschelten sie sich eng zusammen und Venus schnurrte laut, während sie an Mars geschmiegt auf Iúlias Schoß lag.Kurz sah sie zu Tania, die sich nach einem kurzen Dank scheigsam ihrer Arbeit zugewandt hatte.
"Weißt du, Tania, wir opfern den Göttern Hasen und Hühner und Ochsen und Ziegen und so weiter. Und dafür bitten wir sie, Dinge zu tun. Wir bitten sie, einen Krieg zu gewinnen, wir bitten sie um Glück bei Geschäften, um gesunde Kinder, um eine gute Ernte und manche bitten sie auch um Glück beim Spiel oder Unterstützung bei Racheplänen. Ich weiß, dass jeder hier im Haus die Götter verehrt, aber ich befürchte, keiner tut es mit einer solchen Innigkeit wie ich. Ich weiß, dass ich heiraten soll, aber ich könnte meinen Ehemann doch nie so verehren, wie ich die Götter verehre. Ganz ehrlich, würde ich lieber Priesterin werden. Und nicht, weil ich mich gegen deinen Unterricht sträuben würde. Ja, ich finde Weben und Spinnen sehr langweilig, aber es gibt noch mehr Langweiliges. Ich lerne es, dagegen wehre ich mich nicht. Und ich werde auch heiraten, weil mein Großvater das gerne möchte und ich will ihn nicht enttäuschen. Aber ich selbst würde, wenn ich schon nicht Politikerin werden kann, lieber Priesterin werden. Ich durfte meine Mutter letztes Jahr bei den Vestalien zum Tempel begleiten. Ich habe noch nie etwas ähnlich beeindruckendes erlebt", erzählte sie lächelnd, während sie sanft mit einem Finger die Kätzchen streichelte.
"Als Vestalin müsstest du eine Jungfrau bleiben. Willst du denn keine Kinder?", fragte Tania erstaunt, während sie immer mehr Kleidung aussortierte.
"Ich denke nicht, dass ich so dringend Kinder bekommen muss. Ich kümmere mich gerne um Schwächere, aber ich muss doch nicht selbst an ihrer Entstehung beteiligt sein, oder? Ich denke, dass es mir nichts ausmachen würde, Jungfrau zu bleiben und als Vestalin zu leben. Wenn sie mich aufnehmen würden, Und überlege, was wäre, wenn ich keine Kinder bekommen kann? Wenn ich nicht heirate, enttäusche ich meinen Großvater nicht so sehr, wie wenn das geschieht. Noch ein Grund, weshalb ich lieber mehr Kätzchen gehabt hätte. Unter diesen Kätzchen war keine Juno und ich möchte nicht, dass sich einige Götter benachteiligt fühlen."
Iúlias Blick wurde sorgenvoll, als sie wieder zu ihren Adoptivkindern sah. Tania betrachtete sie kurz und lächelte dann leicht.
"Mach dir keine Sorgen, Herrin. Als dein Bruder mich gekauft und mir von dir erzählt hat, sagte er, du wärst ein Geschenk der Venus und steht sie nicht auch für Fruchtbarkeit? Warum sollten die Götter dir Schönheit, Verstand und die Liebe deiner Umgebung schenken und dich dann so grausam bestrafen, dass sie dir eine Familie verweigern? Ich bin mir sicher, dass du keine Enttäuschung sein wirst."
Iúlia musste dankbar lächeln und kraulte zärtlich das Fell ihrer kleinen Venus. Das Gefühl, dass sie ihrer Familie großen Kummer bereiten würde, verschwand dadurch allerdings nicht.
"Erzähl mir was. Irgendwas, was ich noch wissen muss, wenn ich heirate", forderte sie die Sklavin dann auf und sah ihr aufmerksam bei ihrer Arbeit zu.



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BeitragThema: Re: [DXXIII a.u.c.] Der Liebling der Venus | Rom   21.06.15 1:14

Flashback

Iúlia wachte auf. Sie wusste nicht weshalb, es musste mitten in der Nacht sein, jedenfalls war es in ihrem Zimmer noch dunkel. Aber sie spürte, dass sie nicht allein war. Sie wollte aufstehen, aber da spürte sie, dass irgendetwas Nasses in ihrem Bett war. Bitte, sie hatte doch nicht im Schlaf gepinkelt?
"Nein, hast du nicht, du bist nun eine Frau, kleine Römerin", erklang eine samtweiche Stimme aus der Dunkelheit. Iúlia fuhr herum.
"Ich bin im heiratsfähigen Alter, wenn du das meinst, wer auch immer du bist."
"Nein, das meine ich nicht. Ich will dir damit sagen, dass dein Körper nun der einer Frau ist. Du blutest einmal im Monat. Hat dir das niemand erzählt?"
"Doch, aber das macht mich nicht zu einer Frau. Ich bin gerade erst zölf geworden, es gehört mehr dazu, eine Frau zu sein, als einmal im Monat zu bluten. Nach der Logik wäre wohl jeder Gladiator und so mancher Sklave eine Frau."
Ein aüsiertes Lachen antwortete ihr.
"Ich habe eine Zwölfjährige noch nie so wahre Worte sprechen hören. Dann sag mir, kleine Römerin, was gehört dazu, eine Frau zu sein? Wo ist der Unterschied zwischen deiner Mutter und einem Gladiator?"
Iúlia schwieg einen Moment.
"Auch meine Mutter kämpft, aber nicht wie ein Gladiator, sondern wie ein Feldherr. Dieses Haus ist ihr Schlachtfeld und die Sklaven und Bediensteten ihre Legionen. Ich kann nicht alles wissen, was dazu gehört, eine Frau zu sein, das weiß ich erst, wenn ich eine bin, denn es ist schwierig, etwas so Großes und vielfältiges zu definieren. Aber es gehört dazu, Verantwortung zu tragen, eine Zukunft zu sehen und ihr entgegen zu streben, dieser Zukunft den Weg zu bereiten. Eine Frau muss wissen, was sie will und Mittel und Wege finden, das zu erreichen. Pflichtbewusstsein gehört zur Verantwortung dazu, denn wer seine Pflichten vernachlässigt, wird seiner Verantwortung nicht gerecht. Eine Frau sollte außerdem wissen, wie sie ihre Feinde besiegen kann", erklärte Iúlia dann zögerlich.
"Hohe Ansprüche, wie ich sehe."
"Natürlich. Wie ich sagte, eine Frau ist ein Feldherr. Nur kann der Feldherr ab und an ausruhen. Er kommt nach Hause, veranstaltet einen Triumphzug, lässt sich feiern und übernimmt ein öffentliches Amt. Eine Frau führt ununterbrochen Krieg."
"Gegen wen?"
"Gegen das Leben, das Schicksal, die Zeit - such dir was aus. Ist eine Frau ein schlechter Feldherr, tanzen die Sklaven bald auf den Tischen. Die Männer im Senat können nichts bewirken, wenn nicht die Frauen den steten Krieg in den Heimen führen und für Ordnung und disziplin sorgen."
"Und doch weiß ich, dass du nicht besonders diszipliniert bist."
Iúlias Wangen erröteten leicht vor Ärger.
"Ich führe Krieg gegen die, die die Schwäche der Hilflosen ausnutzen. Es sind diese Jungen, die keine Disziplin kennen. Was ihr Feldherr versäumt hat, muss ich ersetzen."
Eine Gestalt trat langsam aus dem Dunkel des Zimmers. Iúlia konnte sie nicht wirklich erkennen, sie schien einen Umhang zu tragen, der leicht im Wind wehte. Sie hatte wie immer heimlich die Fensterläden geöffnet.
"Dann bist du immerhin fast eine Frau. Und das mit zwölf. Ich habe dich ein bisschen unterschätzt, kleine Römerin, das muss ich zugeben."
"Ich bin Iúlia. Wer bist du?", fragte das Mädchen und fixierte die Gestalt, die nun leicht den Umhang zurückschob. Lange, feine Haare, die im Mondlicht leicht glänzten zeigten sich.
"Ich bin Selenia, kleine Römerin."
"Selenia? Wie Selene, die griechische Mondgöttin?"
"Nun, so ähnlich."
"Bist du eine Priesterin?"
Die Frau legte den Kopf schief und schien nachzudenken, ehe sie leicht nickte.
"Ja, so kann man mich wohl bezeichnen. Ich bin eine Priesterin. Aber nicht der normalen Mondgöttin, sondern der Göttin des blutenden Mondes. Der blutende Mond hat verschiedenen Bedeutungen, aber für dich ist seine Bedeutung wohl gerade, was mit dir passiert."
Die Fremde sah zum Fenster und auch wenn Iúlia es nicht sehen konnte, wusste sie, dass sie gerade lächelte.
"Einmal im Monat kommt der Mond und geht wieder. Einmal im Monat blüht eine Frau - oder ein Mädchen - auf und danach bringt der Mond das Blut. Das ist in Ordnung und völlig normal, kleine Römerin. Aber ab jetzt wird sich wohl vieles in deinem Leben ändern."
Iúlia wusste nicht wirklich, was sie darauf nun sagen sollte. Ihre Worte waren ebenso poetisch, wie verwirrend.
"Wie bist du hier herein gekommen? Durch das Fenster?"
"Nein, kleine Römerin, wie jede Frau von Anstand bin ich durch die Tür gekommen. Nur Verbrecher kommen durch das Fenster. Aber hab keine Angst, die Göttin des blutenden Mondes wacht über dich, nicht nur jetzt. Du sollst ebenfalls eine ihrer Priesterinnen werden und ihre Leute lässt sie nicht im Stich. Ich werde nun immer während deiner Monatsblutung kommen und dir von uns erzählen und dich vorbereiten. Kämpfe ruhig, das ist vernünftig. Du bist eine Frau und kämpfst gegen das Schicksal wie der tapferste Feldherr gegen die Barbaren. Aber wenn es soweit ist und du eine Frau bist, dann wirst du nicht mehr kämpfen. Dann wirst du bereit sein, dein Schicksal anzunehmen - und es nach deinen Vorstellungen zu formen."
Die Frau trat zu ihr, legte ihr einen Finger unter das Kinn und hob ihren Kopf, um ihr in die Augen zu sehen.
"Wir sehen uns bald wieder, kleine Römerin. Erzähle nur keinem von mir. Das ist unser Geheimnis. Denn deine Familie denkt, sie könnten dein Schicksal bestimmen. Aber das können sie nicht. Sie sind nur Menschen."
Damit glitt die Fremde wieder zurück in die Schatten und verschwand. Iúlia fühlte sich wie in Trance. Sie musste gähnen und bald darauf war sie wieder eingeschlafen.



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Lamia Lacrima
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BeitragThema: Re: [DXXIII a.u.c.] Der Liebling der Venus | Rom   06.04.16 20:26

„Nun zappel doch nicht so, Herrin!“, schimpfte Tania. Sie hatte einige andere Sklavinnen, die für gewöhnlich ihrer Mutter halfen, herbeigeholt und zeigte seit gefühlten Stunden, wie unterschiedliche Frisuren aussahen, wie sie sich schminken lassen sollte und erzählte von Perücken und blonden Strähnen von Frauen aus dem Norden, die man in ihren schwarze Haarpracht einflechten konnte. Iúlia hielt das für ausgemachten Unsinn. Ihr gefielen ihre Haare, wie sie waren, sie brauchte weder blonde, noch rote Strähnen, um sie einzuflechten. Und wenn sie ihre Haut mit Kreide- und Bleipulver heller erscheinen ließ, sah sie so furchtbar krank aus. Aber Tania war entzückt.
„Ich kann nichts dafür, wir sitzen hier schon seit Ewigkeiten und langsam ist das völlig unsinnig, inzwischen sieht jede Frisur für mich gleich aus“, erwiderte sie seufzend und mit einer leicht quengeligen Stimme. Ihr Blick richtete sich auf den Spiegel und sie verzog den Mund.
„Muss das mit dem Schminken sein? Ich sehe aus, wie eine Leiche, der man versucht hat mit etwas Schminke Leben einzuhauchen.“
„Ja“, erwiderte Tania nur ungerührt und erbarmungslos. Sie löste die Zöpfe und bürstete die dunklen Strähnen sorgfältig durch, ehe sie begann, mit Hilfe einer anderen Sklavin eine neue Frisur zu bereiten, wobei sie diesmal weiche Bänder einflocht.
„Natürlich müssen die Bänder stets zu deinem Gewand passen. Es empfiehlt sich also, vorher bereits zu wissen, was du tragen willst.“
„Wenn ich jeden Morgen so einen Zirkus machen, dann komm ich ja zu nichts mehr!“, beschwerte sich das junge Mädchen.
„Denk doch darüber nach, wann deine Mutter erscheint. Als Frau eines einflussreichen Politikers – denn das wirst du zweifelsohne, musst du zu nichts kommen, aber du musst eine entsprechende Erscheinung abgeben“, erinnerte die Sklavin sie.
Iúlia nagte an ihrer Unterlippe. Sie verdrängte den Grund, weshalb sie diese Albernheiten mitmachen musste, immer wieder. Sie musste plötzlich dies und das und durfte das und das nicht. Und jenes schon gar nicht.
Seufzend legte sie die Hände in den Schoß und beobachtete, wie die Sklavin ihre Haare frisierte, ihr etwas zu der Frisur erklärte und sie gleich wieder löste. Das ging noch zwei mal so, ehe sie ihr eine weitaus weniger aufwendige Frisur flocht und sie abschminken ließ, um sie etwas dezenter neu zu schminken. Anschließend half sie ihr beim Waschen und dann endlich in eines der wenigen übrig gebliebenen Gewänder.
„Müssen wir den Zirkus wirklich jeden Morgen machen?“, fragte Iúlia etwas missmutig, als die anderen Sklavinnen endlich gegangen waren. Tania nickte und meinte, sie müsse sich schonmal daran gewöhnen. Reizende Antwort!
Dann gingen sie gemeinsam hinab ins Atrium, wo sie sich auf eine Bank an der Seite setzten und ein wenig plauderten. Um die Katzen hatte sich Iúlia heimlich schon vorher gekümmert, jetzt schliefen sie zufrieden oben in ihrem Zimmer.
Es dauerte nicht lange bis die Händler kamen, die Tania herbestellt hatte. Als diese kamen, erschien auch ihre Mutter, ihre Tante und ihre Großmutter, die es sich nicht nehmen lassen wollten, da dabei zu sein.
Iúlia wusste nicht mal so recht, was diese Händler alles verkauften, es schien so durcheinander und genauso durcheinander war auch das Geplauder der älteren Frauen. Die Händler hatten im Atrium eine Art Markt aufgebaut und zeigten ihnen ihre Waren. Um wenigstens ein wenig Struktur in die Sache zu bringen, beschloss Iúlia sich an Tania zu halten, die mit ihr von Stand zu Stand ging und verschiedene Waren auswählte.
Es dauerte ein wenig, aber mit der Zeit stellte Iúlia fest, dass sie vielleicht ein ganz kleines bisschen eitel war. Die vielen bunten Stoffe gefielen ihr zugegeben und auch, sie wie um sie gewickelt wurden, um zu sehen, wie sie darin aussah. Auch das Schmuckangebot sagte ihr zu. Sie hatte vorher noch nie Schmuck getragen, aber die Ketten mit den kostbaren Steinen im Stil so unterschiedlicher Provinzen und die hübschen Ohrringe und Armreifen, überzeugten sie. Mit der Schminke konnte sie noch immer nichts anfangen und verließ sich einfach auf Tanias Rat. Aber besonders angetan hatte es ihr der Parfümhändler. Die Parfüms und Öle hatten eine eigentümliche Wirkung auf sie und ihr Gemüt. Sie fühlte sich vergnügt und beschwingt, fast hätte sie vor Freude gesungen oder gelacht. Das tat sie zwar nicht, aber sie plauderte vergnügt mit den Händlern, scherzte und ließ ganz unbewusst ihren Charme spielen.



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[DXXIII a.u.c.] Der Liebling der Venus | Rom

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