Ein freies Vampir-RPG in der Mitte des 19. Jahrhunderts
 
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 [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum

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Lamia Lacrima
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BeitragThema: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   23.02.16 0:07


Selenia

Zufrieden betrachtete Selenia die Stadt. Es war nicht so, als wäre sie auf ihre anderen Schützlinge nicht stolz, nur weil sie an Lamia besonderes Interesse hegte. Und in diesem Fall war sie sogar sehr zufrieden mit ihrem Zögling, der diese wunderbare Stadt überwachte. Dennoch wurde es Zeit. Sie hatte gesagt, sie wäre in wenigen Tagen zurück.
Sie verabschiedete sich von ihrem Zögling und seiner Gefährtin und machte sich auf den Rückweg. Sie brauchte kein Gepäck und eine Sänfte würde sie nur unnötig aufhalten, deswegen ging sie allein. Wer so alt und stark war, wie sie, hatte keine Angst vor Räubern oder wilden Tieren.
Selenia war schon in der nächsten kleinen Ortschaft, als ein Junge, der offenbar vor etwas floh in die hineinlief. Kurz darauf entdeckte sie auch, worum es ging. Ein kräftiger Mann mit zornrotem Kopf war dem Jungen brüllend auf den Fersen, in der Hand hatte er etwas, was wie die Schaufel eines Bäckers aussah, mit der er Brote in den Ofen schob und wieder rausholte.
Sofort stieg Selenia der Angstgeruch des Kindes in die Nase, das nun wie angewurzelt auf den Bäcker starrte. Aus den Beschimpfungen des Bäckers entnahm sie, dass der Junge offenbar etwas gestohlen hatte.
Im ersten Augenblick wollte sie den Jungen weg schieben und die beiden die Sache unter sich ausmachen lassen. Das war nicht ihre Sache, Straßenkinder stahlen andauernd etwas und wollten vor den Konsequenzen fliehen. Dann blitzte aber für einen winzigen, kurzen Augenblick Lamia vor ihrem inneren Auge auf. Sie musste daran denken, wie sie sich um das eine Baby kümmern wollte, deren Eltern sie auf ihre Anweisung getötet hat. Sie hatte das Kind nicht getötet, obwohl sie es gewollt hatte. Es kam nicht vor, dass Selenia ihren Willen nicht bekam. Und dann … Sie hatte irgendetwas über Kinder gesagt aus der Zeit, als sie … mit Aurelius unterwegs war. Hatte diese eine Familie nicht eine Tochter gehabt?
Ich Blick fiel wieder auf den Jungen. Warum stand er noch da? Liefen Straßenkinder nicht normalerweise weg?
Noch während sie ihn betrachtete, fielen ihr ein paar Kleinigkeiten auf. Das Funkeln in den Augen, das trotzend vorgeschobene Kinn. Der Kleine wollte sich doch nicht etwa diesem Felsbrocken von Bäcker entgegenstellen?
Einem Gefühl folgend, schob sie den Jungen hinter sich und sah den Bäcker kühl an, der nun verblüfft inne hielt.
„Ich verlange von Ihnen, dass sie gehen und diesen Jungen in Ruhe lassen – und drohen Sie keinem Kind mehr mit der Schaufel, das ist ja widerlich!“, erklärte sie hart. Einen Moment war der Bäcker zu überrascht, um irgendetwas zu tun, woraufhin Selenia die Augen verärgert zusammen kniff.
„Wird’s bald?“
Ihre Stimme klang wie ein Peitschen hieb und der Bäcker verzog sich winselnd. Hui, die Szene sollte sie zu Hause erzählen!
Selenias Blick wanderte nun deutlich sanfter zu dem Jungen.
„Ich bin Selenia“, stelle sie sich dann ruhig vor.
„Darf ich auch deinen Namen erfahren?“



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Caleb Alagos
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BeitragThema: Re: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   25.02.16 1:22

Es waren nunmehr 4 Monde verstrichen seit der junge Caleb zur Flucht gedrängt wurde.
Es war ein warmer Sommermonat gewesen, als er unsanft aus seinem Bett gezerrt wurde, ihm seine Kleider vor die Füße geschmissen und er wenig später die Treppen hinunter gezerrt wurde.
Unten sah er seine anderen Geschwister, sein älterer Bruder wurde, mit einer Klinge an der Kehle gezwungen zu kapitulieren.
Der Erbe des Hauses war im Krieg, und mit ihm alle Vasallen und geschworenen Lords.
Caleb hatte gerade zurück rennen wollen, als Oshara, eine Freundin, ihn geschnappt hatte, eine andere Freundin hatte seinen Bruder geholt.
Zusammen waren sie auf der Flucht gewesen, bis sie voneinander getrennt wurden.
So war Caleb eine Weile mit Oshara unterwegs gewesen, bis er schlussendlich auch von ihr getrennt wurde.
Der kleine Junge schlug sich durch, und eigendlich schlug er sich ganz gut.
Doch nicht heute, denn der Bäcker hatte ihn tatsächlich dabei erwischt wie er etwas Brot hatte mitgehen lassen.
So war Caleb los gesprintet, doch der Bäcker erwies sich als hartnäckiger als gedacht, und er jagte hinter ihm her.
Wenn er doch nur so gut klettern könnte wie sein Bruder!
Doch das konnte er nicht.
Plötzlich stieß er gegen etwas- oder viel eher gegen Jemand.
Der Junge sah hinauf, und er sah in das Gesicht einer jung aussehenden Frau.
Das diese Frau ein Geheimnis umgab, das ahntee er nicht.
Der scheinbar heimatlose Junge versuchte einen selbstbewussten, trotzigen Eindruck zu erwecken.
Er drehte sich um, und wollte gerade Kämpfen, als die Frau die Situation auf ihre Weise klärte.
Der Bäcker verzog sich, scheinbar hatten die Worte der Frau ihn beeindruckt, also musste sie eine sehr wichtige Person sein.
Caleb sah sie an, und er überlegte.
Kannte er sie? Gehörte sie zu einem großen Adelshaus?
Doch Caleb kam zu keinem Ergebnis, nicht einmal der Name Selenia sagte ihm etwas.
Doch sie hatte ihm geholfen, obwohl sie ihn nicht kannte.
"Ich heiße Caleb.", antwortete der Junge leicht verängstigt, ehe er seine Schultern straffte.
"Danke das Sie mir geholfen haben.", sagte der Junge dann, ehe er sich umsah.
Er würde verschwinden...
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Lord Merlin Lefroy
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BeitragThema: Re: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   25.02.16 2:51


Selenia

Einen Moment sah Selenia noch dem Bäcker nach, der – wie sollte es auch anders sein – ohne Widerstand ihrem Willen Folge leistete. Man konnte das sicher nicht als Gabe bezeichnen, wie die Vampire, die in dieser Welt geboren worden waren, sie besaßen. Die Oberen Zehn besaßen bestimmte Eigenschaften und Willensstärke war ihre, schon immer gewesen. Schon, als sie noch Mira Falla Carta gewesen war und sich in den Kopf gesetzt hatte, dass die eigensinnige Edda, die erst seit Kurzem vom Carta-Orden betreut wurde, ihre beste Freundin werden würde. Ein „Nein“ hatte sie noch nie akzeptiert. Wann immer sich jemand ihrem Willen zu widersetzen versuchte, endete das entweder nicht gut für diese Person oder aber nach kurzer Zeit wurde diese Person glühendster Verfechter ihrer Interessen.
Nachdenklich betrachtete Selenia den Jungen wieder, rief sich sein Verhalten ins Gedächtnis. Sie sah das nicht zum ersten Mal. Ein Kind, das schon länger auf der Straße lebte und ihrer Meinung nach bereits verloren war, hätte sie zur Seite gestoßen und wäre geflüchtet oder hätte nach dem Zusammenstoß einen Haken geschlagen und wäre geflüchtet. Oder hätte versucht, sie beim Zusammenstoß zu beklauen. Das war nicht passiert. Nein, der Junge sah sogar ängstlich aus und er bedankte sich. Allzu lang konnte er noch nicht hier sein.
Langsam formte sich in Selenias Kopf ein Gedanke. Lamia hielt sich für ein Monster. Sie sagte es nicht, sie zeigte es nicht, sie nahm wieder die Rolle der perfekten jungen Vampirin ein. Aber Selenia wäre eine besorgniserregend unsensible Schöpferin, wenn sie die kleinen Nuancen in Lamias Bewegungen, Blicken und in ihrer Stimme nicht bemerken würde. Mal ganz davon abgesehen, dass das Schöpferband sie beide verband.
Aber wenn sie Lamia … ein wenig austricksen konnte, damit sie Verantwortung übernahm? Verantwortung für diesen Jungen, Caleb. Er schien noch nicht ganz an die Straße verloren zu sein und seine Zukunft wäre dann auch gesichert.
Die Vampirin schenkte Caleb ein freundliches Lächeln, als ihr diese Idee kam.
„Gern geschehen. Fortuna scheint heute gut aufgelegt zu sein, dass sie ausgerechnet deine Schritte zu mir geführt hat. Weißt du, Caleb, ich habe ein bisschen Erfahrung und Menschenkenntnis. Du scheinst mir nicht wie jemand, der klauen würde, wenn er nicht in Not ist. Tatsächlich hab ich das Gefühl, dass du ein tapferer, findiger und fleißiger Bursche wärst, wenn man dir die Möglichkeit geben würde, dich auf ehrliche Art und Weise zu beweisen, hab ich Recht? Nun, eine sehr enge Freundin von mir ist gerade auf der Suche nach einem Helfer. Das wären keine komplizierten Aufgaben. Ab und an ein Botengang oder ihr zur Hand zu gehen, mach dir keine Sorgen, das würdest du schaffen. Wenn du möchtest, kannst du mich zu dieser Freundin begleiten. Du siehst nicht so aus, als würdest du freiwillig hier auf der Straße leben und so hättest du dann ein Dach über dem Kopf und du müsstest sicher kein Brot mehr stehlen. Was sagst du dazu? Willst du es versuchen?“, meinte sie freundlich und überraschend warmherzig. Selenia konnte nett sein. Sie konnte nett, lieb, reizend und herzerwärmend sein und wie die liebenswerteste Person auf dem Planeten erscheinen – immer vorausgesetzt, sie wollte das. Und jetzt wollte sie einfach nur freundlich und vertrauenerweckend auf den verängstigten Jungen wirken. Angst zu haben war in der Situation ja verständlich. Das würde sicher bald verfliegen.


“You want weapons?
We’re in a library! Books!
The best weapons in the world!”
- Doctor Who
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Caleb Alagos
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BeitragThema: Re: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   26.02.16 0:23

Caleb sah zu der Frau auf, die ihn angesprochen hatte, und er schluckte hart.
Wie würden ihre nächsten Schritte aussehen?
Würde sie ihn ausliefern? Ihn nun selbst bestrafen? Ihn an die Familie abliefern die seine Heimat erobert hatten?
Der junge Ausreißer hatte wirklich Angst. Er wusste nicht wie er sich am Besten verhalten sollte.
Sollte er mitgehen?
Die blauen Augen des Jungen ruhten auf der Frau, doch anstatt das sie ihn schlug, ihn einsackte oder bedrohte machte sie ihm ein Angebot.
Und dieses klang zugegeben ziemlich verlockend.
Caleb musterte die Frau, sie schien eine Adlige zu sein, oder eine Frau die es gewohnt war in Adelskreisen zu verkehren.
Wenn er sich nun also mit ihr gutstellte, alles tat worum er gebeten wurde, zeigte wie klug und clever er war, vielleicht half sie ihm dann sein zu Hause zurück zu gewinnen.
Vielleicht verheiratete sie ihn, oder plante es zumindest, und dann würde eine Armee Theros in den Hintern treten!
Er wünschte es ihm, und er wünschte es natürlich auch sich.
Als die Frau, die sich als Selenia vorgestellt hatte, erriet das er nicht freiwillig hier lebte schüttelte er seinen Kopf.
Nein, er lebte ganz sicher nicht freiwillig hier.
Die Aufgaben klangen wirklich nicht sehr kompliziert, und Mundschenke hatten in der Regel kein schlechtes Leben.
Dies bewegte den Jungen schlussendlich dazu zuzustimmen.
"In Ordnung.", antwortete er dann und er sah zu der Frau auf.
"Ich folge Ihnen.", meinte er und er hoffte das er dies nicht bereuen würde.
Das diese Nacht sein Leben grundlegend ändern würde, ahnte der kleine Junge zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
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Lamia Lacrima
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BeitragThema: Re: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   26.02.16 3:17


Selenia

Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf Selenias Gesicht aus und sie klatschte begeistert in die Hände.
„Das freut mich sehr“, meinte sie vergnügt und sah sich dann nachdenklich um. Sie konnte nun nicht so schnell reisen, wie sie es vorgehabt hatte, aber sie sollte dennoch stetig vorwärts kommen. Ihre verzögerte Ankunft würde für Unruhe sorgen. Wobei man vermutlich eher glaubte, sie würde sich auf dem Rückweg anderweitig vergnügen.
„Warst du schon mal in einer Sänfte?“, fragte Selenia dann rhetorisch, als sie eine Möglichkeit zur Weiterreise entdeckte. Sie lotste Caleb neben sich in die Richtung eines Sänftenverleihs und unterhielt sich dann kurz zwei Schritte abseits mit dem Besitzer des Ladens. Dann bezahlte sie für die Sänfte zum nächsten Ort, die Sklaven, die sie trugen und die Söldner, die für die Sicherheit sorgten. Nun, nicht, dass sie da etwas befürchten musste, aber das gehörte dazu. Dann stieg sie mit dem Jungen in die Sänfte und bedeutete ihm, dass er ruhig schlafen könnte.
In der nächsten Ortschaft besorgte sie dann genug Proviant und eine andere Sänfte von einem anderen Verleih. Die Sänften wurden normalerweise nicht so weit getragen, aber sie konnte jeden überzeugen. In der letzten Ortschaft ging sie allerdings zu einem Pferdehändler. Es war später Nachmittag. Sie hatte von dem Pferdehändler schon einige Tiere gekauft und bei ihrer Hinreise hatte sie ihn gebeten, eine besonders hübsche Stute für sie zu reservieren. Diese kaufte sie nun und ein weiteres Pferd – ein lammfrommer Wallach mit einer stoischen Gemütsruhe – für den Jungen. Sie wusste nicht, wie gut er reiten konnte, aber da konnte man nichts falsch machen und Lamia würde darauf bestehen, dass er ein eigenes Pferd hatte. Sie kannte ihre kleine Römerin doch.
Gemeinsam ritten sie zum Weingut, einer Villa Rustica, die Lamias Familie gehört hatte. Nachdem sie verschwunden war, hatte ihr Großvater sich in seine Trauer um seine einzige Enkelin eingeigelt und dort verschanzt. Einer ihrer Neffen hatte das Gut mit den Ländereien dann verkauft – ohne zu wissen, dass es seine verschwundene Tante war, die hier residierte und gewissermaßen Hof hielt. Villa Olympia hatten sie es genannt, wenn sie sich richtig erinnerte. Lamias Großvater hatte unzählige Götterstatuen und Mosaike und Malereien mit dem Gesicht seiner Enkelin anfertigen lassen. Sie hatte ihr mal erklärt, welchen verschrobenen Grund das hatte: Er hatte gehofft, so die Götter reizen zu können, in dem er so demonstrierte, dass ihm seine Enkelin wichtiger war, als die Götter und er sie durch ihre Abwesenheit idealisierte, in der Hoffnung, sie würden sie wieder zurückgeben. Natürlich unsinnige Hoffnung.
Nach dem Erwerb hatte Lamia behutsame Bauarbeiten durchführen lassen, um das Gebäude an die neuen Bedürfnisse der Bewohner anzupassen. Und jetzt, wo sie von ihrem zweifelhaften Pfad abgekommen war, verbrachten einige Freunde aus der Gemeinschaft, insbesondere auch die jungen Vampire, sowie ein paar Gäste aus anderen Gemeinschaften, die Sommer gerne hier, wenn es in der Stadt selbst so stickig wurde.
An der ersten Statue – Venus, die Stammmutter der Iúlier – drosselte Selenia das Tempo ein wenig.
„Meine Freundin lebt auf diesem Gut. Du wirst feststellen, dass noch viele andere hier leben, Caleb, aber ich rate dir, dich an Lamia, so heißt meine Freundin, zu halten. Sie hat eine unschöne Zeit hinter sich, sieh es ihr also bitte nach, wenn sie zunächst vielleicht ein wenig … sozial ungeschickt reagiert. Außerdem wirst du feststellen, dass auf diesem Gut Einiges sonderbar erscheint und anders ist, als an den meisten Orten. Dir droht jedoch keine Gefahr, das kann ich dir versichern. Aber ich muss dich darum bitten, Stillschweigen zu bewahren.“
Kurz musterte sie ihren jungen Begleiter prüfend, nickte dann zufrieden und lenkte ihre Stute zu einem Gebäude, das ein wenig Abseits auf dem Gelände stand und auf den ersten Blick mit den ganzen Säulen an einen Tempel erinnerte. Es war ein großes, rundes Gebäude und in der Tat hatte Lamia bei den Planungen an den Tempel der Vesta in Rom gedacht. Hinter dem Gebäude befand sich auch ein Garten, an den ein weiteres Gebäude angrenzte, das an das Wohnhaus der Vestalinnen erinnerte. Dort hatte der zweite Kreis ihrer Anhänger residiert, in diesem „Tempel“ der erste und engste Kreis. Alle anderen wurden in den anderen Gebäuden untergebracht.
Selenia stieg vom Pferd und reichte die Zügel der Tiere einem herbeieilenden Sklaven. Dann ging sie mit Caleb zusammen in das beeindruckende Gebäude, denn eines musste sie der Lamia von damals lassen: Sie war eine Diva und wusste, wie man einen tiefen Eindruck hinterließ.
Als sie in das Gebäude traten, ließ der Eindruck nicht ab. An der Wand befand sich ein Sims mit einer Vertiefung, in der weißes Feuer loderte. In der Mitte des runden Raumes befand sich ein flaches Wasserbecken, wie in jedem Atrium auch, nur war es rund, genauso wie das Lock im Dach direkt darüber. Und in der Mitte des Beckens befand sich eine niedrige Marmorsäule, auf der sich ein goldener Vogel aus einem weißen Flammenmeer erhob. Ein Phönix, wie jeder wusste, der Lamia kannte.
„Setz dich doch, ich werde schnell mit Lamia sprechen“, meinte sie lächelnd und deutete auf eine Gruppe von drei Liegen, die geschickt angeordnet waren, sodass Gäste sich unterhalten konnten. An einer kleinen Einbuchtung in das Sims mit dem Feuer war ein schlichter, aber stilvoller Hausaltar eingelassen. Obwohl er nicht so beeindruckend war, wie der Rest, rundete er den Anblick gut ab.
Selenia stieg in das oberste Geschoss, das komplett Lamias Reich war. Hier gab es keine Wände, wie sie unten die Räume ihrer engsten Freunde abgetrennt hatten, sondern nur luftige Vorhänge aus fast durchsichtigem Stoff, die sich teilweise überlagerten. Sie zu finden war also nicht sonderlich schwierig. Sie zu überzeugen schon eher.


„Ich denke wirklich nicht, dass du dem Jungen einen Gefallen getan hast“, gab Lamia schließlich seufzend zu bedenken.
„Oh doch. Er lebte auf der Straße, was denkst du, das seine Chancen für die Zukunft gewesen wären? Hier hat er eine Chance.“
„Aber warum schickst du ihn dann nicht zu den anderen Bediensteten, sondern zu mir?“
„Wenn du ihn nicht bei dir haben willst, dann werde ich ihn wieder wegschicken“, kommentierte Selenia ungerührt. Sofort war Lamia auf den Beinen.
„Nimm ihm nicht die Hoffnung, die du ihm gegeben hast“, zischte sie leise. Dann seufzte sie.
„Gut, ich werde mich mal mit ihm unterhalten.“
Lamia trat vor einem hohen Spiegel und überprüfte ihr Äußeres. Sie wollte nicht so aussehen, wie sie sich fühlte. Ein Monster war ein verschreckender Anblick.
Dann ging sie runter ins Atrium. Inzwischen erleuchtete nur noch ihr Feuer das Gebäude. Sie entdeckte auch sofort den Jungen.
„Lamia, das ist Caleb. Caleb, das ist Lamia, meine Freundin“, stellte Selenia sie beide einander vor und zog sich dann diskret zurück. Lamia lächelte den Jungen leicht an, bedeutete ihm, sich zu setzten und setzte sich auf eine andere Liege.
„Nun, Caleb, Selenia ist der Ansicht, dass du hier bleiben solltest und ich gebe im Allgemeinen viel auf ihre Meinung, aber dennoch möchte ich ein wenig über dich erfahren. Erzähl mir einfach, was dir über dich in den Sinn kommt, es ist alles in Ordnung, glaub mir. Der einzige Fehler, den du begehen könntest, wäre unehrlich zu mir zu sein“, meinte sie schließlich leise und musterte den Jungen aufmerksam. Selenia hatte recht gehabt, seine Körpersprache war nicht die eines normalen Straßenkindes.



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Caleb Alagos
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BeitragThema: Re: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   27.02.16 0:35

Caleb runzelte ein wenig seine Stirn als er sah wie Begeistert Selenia von seiner Antwort war.
Was hatte diese Frau vor? Führte sie ihn zur Schlachtbank und er hatte zugestimmt freiwillig mit zu gehen?
Oder war das eine Finte von Theros, dem Mistkerl der ihm sein zu Hause genommen hatte?
Arbeiteten er und diese Frau etwa zusammen?
Nein, dem schien nicht so, Theros war Nordländer, mehr oder weniger, sie hingegen schien aus dem Süden zu stammen, zumindest wenn er nach ihrer Kleidung gehen würde.
Bei ihrer Frage schüttelte er seinen Kopf.
"Nein, normalerweise reite ich.", gab er dann ehrlich zu.
Sänften waren etwas für Frauen, zumindest in seiner Heimat. Er hatte schon früh gelernt zu reiten, denn als Nordländer hatte er sich zu Pferd fort zu bewegen.
Doch davon lies er sich nichts anmerken, denn da wo Selenia herkam schien es offenbar normal zu sein das auch Männer sich in Sänften durch die Straßen tragen liesen.
Ihm sollte es recht sein, er war Tage und Nächte unterwegs gewesen, seine Füße schmerzten und er hatte die einen oder anderen blauen Flecke kassiert- weshalb er ganz dankbar war sich ausruhen zu dürfen. Er würde es Selenia oder auch ihrer Freundin mit doppelter Anstrengung bei der Erledigung seiner Aufgaben danken.
Caleb stieg ein, nachdem Selenia eine Sänfte organisiert hatte, und er setzte sich ordentlich hin.
Er hatte Glück und die Vorhänge waren zurück gezogen, so das er hinaus sehen konnte.
Die Landschaft zog an ihm vorbei, doch mehr und mehr musste er gegen seine Müdigkeut ankämpfen.
Er hatte es eigendlich nicht tun wollen, doch irgendwann überkam den Kleinen die Müdigkeit und er legte sich hin und er schlief einen sehr tiefen und traumlosen Schlaf.
So vergingen die nächsten Tage und Nächte, in denen die Sänfte einmal gewechselt wurde, ehe sie zu einem Pferdehändler gingen.
Dieser Teil gefiel Caleb, denn nun konnte er zeigen das er nicht ganz so unnütz war, wie er sich doch zugegebener Maßen vorgekommen war.
Ein klein wenig Unbeholfen- aufgrund seiner Größe könnte er sich nicht einfach auf das Pferd schwingen wie sein älterer Bruder- stieg er auf, und sofort bemerkte er das sich das Tier scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringen lassen schien.
So ritt Caleb neben Selenia her, und nach einer Weile kam ein Weingut in Sichtweite.
Da Selenia langsamer wurde, vermutete er das dies besagter Ort sein musste wo besagte Lamia wohnte.
Er würde es gleich sehen.
neugierig lauschte der Junge Selenias Erklärungen und er nickte leicht.
"Ich kann Schweigen wie ein Grab, und ich bin Anpassungsfähig.", versprach er dann, während er mit- hoffentlich nicht zu neugierig deinblickenden Augen- das Gut musterte und betrachtete.
Denn er wusste das unverholene Neugier nicht so gern gesehen war.
Caleb stieg ab, und er kam doch nicht umhin hier und da hinzusehen, und die Gebäude zu betrachten.
Er hatte soetwas schon einmal gesehen, auf einer Karte eines Händlers aus dem Süden.
Die Tempel der Vestalinnen, wenn er sich nicht ganz irrte.
Doch er beschloss lieber nicht zu fragen, denn er wollte sich nicht gleich zu Beginn blamieren.
Während er Selenia folgte, warf er einen Blick zurück, und er merkte sich das Gebäude in das der Sklave die Pferde gebracht hatte- sollte es seine Aufgabe werden, wusste er immerhin gleich wo er hinzugehen hatte.
Der Anblick des Inneren des ersten Gebäudes verschlug Caleb beinahe die Sprache- hier sah alles so ganz anders aus als bei ihm zu Hause.
Beinahe fühlte er sich wie in einer anderen Welt- ja so lies es sich beschreiben.

Ihm war bedeutet worden zu warten, und wenige Augenblicke später kehrte Selenia mit einer schwarzhaarigen Frau zurück die offenbar besagte Lamia sein musste.
Während er gewartet hatte, hatte er zwei Sklaven gehört die sich mit Salve begrüßt hatten, offenbar hieß das hier unten so viel wie Hallo oder guten Tag.
"Salve, Lady Lamia.", begrüßte er die Frau vor sich, und zaghaft erwiederte er ihr Lächeln.
Ob die Anrede hier stimmte wusste er nicht, doch ihm war beigebracht worden jede Frau mit Lady anzusprechen, also tat er dies auch.
Zaghaft setzte er sich an den Rand der Liege, seine Finger nestelten am Knopf seiner Jacke herum.
Als sie ihn bat etwas über sich zu erzählen, schlug ihm das Herz bis zum Hals. Was wenn ihr etwas nicht gefiel?

"Ich heiße Caleb Alagos, und ich komme aus dem nördlichsten Winkel von Skandinavien. Ich bin 7 Jahre alt, und der letztgeborene Sohn der Familie Alagos. Ich habe zwei drei große Brüder und zwei ältere Schwestern. Meine Familie lebt und herrscht seit tausenden von Jahren über das Gebiet in dem wir leben.
Ich kann schon ein bisschen lesen, schreiben und rechnen. Außerdem habe ich reiten gelernt. Ich kann auch Bogen schießen und mit dem Schwert kämpfen.",
zählte er auf was er alles konnte und er hoffte das etwas dabei war was Lamia gefiel.
"Ich lerne schnell, gebt mir nur eine Chance und ich lerne Eure Heimatsprache. Ich will alles tun um ein guter Sklave oder Mundschenk zu sein.",
schloss er dann, und er sah Lamia in die Augen.
Er hoffte wirklich das sie ihm eine Chance gab, er konnte das, dessen war er sich sicher.
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Lamia Lacrima
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BeitragThema: Re: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   27.02.16 4:48

Lamia beobachtete den Jungen genau. Es war vielleicht noch eine alte Gewohnheit, aber sie hatte erlebt, dass ihr in ihrer … speziellen Zeit kaum jemand sofort die volle Wahrheit gesagt hatte. Das war erst passiert, wenn sie ihren Blick spürten und, dass der Blick jede Maske lüftete. Es waren kleine Dinge, ein Zucken mit dem Finger, die ihr mehr sagten, als die Worte der Leute.
Der junge schien sich aber wirklich Mühe zu geben, ehrlich zu sein, denn das war nicht einfach. Hatte er sie wirklich Lady genannt? Wie ulkig. Daran hatte sie schon vermutet, dass er aus den wilden Landen jenseits der Zivilisation des Imperiums kam. Auch dieser Bereich gehörte zur Gemeinschaft des blutenden Mondes und auch diesen Bereich hatte sie gesehen. Allerdings, das musste sie zugeben, hatte sie dort nicht viel Interessantes gefunden. Die Menschen waren spröde und das Misstrauen war keine Schutzmaßnahme, sondern eine Tradition, eine Lebensart, die von den Alten an die Jungen weitergegeben wurde.
Natürlich, vereinzelt gab es wahre Juwelen, deren ungeschliffener Charme ihr sehr zugesagt hatten, aber es war selten. Es war ein kaltes Land, in dem die Menschen hart arbeiten mussten. Die Winter waren finster und im Sommer ging die Sonne teilweise gar nicht unter. Ein Land, das so gar nichts von dem Überfluss und der Lebensfreude hatte, die hier im Süden herrschten. Man tat, was man tun musste mit aller Ernsthaftigkeit und ohne jede Leichtigkeit des Seins. Man sah es sogar an der Kleidung: Schwere Stoffe und Felle, keine leichten, verspielten Gewänder mit elegantem Faltenwurf, wie man sie hier bevorzugte. Hier in der Toskana brannte die Sonne am Tag herunter und heizte die Welt auf. Zum Mittag sah man niemanden unterwegs oder auf den Feldern. Dafür erwachten in der Abenddämmerung die Straßen zum Leben. Es pulsierte, wie das Blut in den Adern.
„Ein Sklave?“, Lamia runzelte irritiert die Stirn.
„Nein, Caleb, ich brauche keinen Sklaven und ich würde auch niemals zulassen, dass Selenia Kinder von der Straße aufliest und hier zu Sklaven macht. Ich bin ohnehin der Meinung, dass Kinder keine Sklaven sein sollten. Wenn sie also einen Sklaven bräuchten, dann würden wir einen kaufen. Wenn du hier bleibst, dann würdest du mir hier und da zur Hand gehen. Ich würde dich losschicken, um bestimmte Besorgungen zu machen oder vielleicht auch Nachrichten zu überbringen und im Gegenzug für deine Hilfe, würde ich dich lehren. Aber dafür muss ich erst etwas wissen.“
Sie erhob sich. Ihr Gefühl für einen theatralischen Auftritt hatte Lamia nicht verloren. Sie trat vor das Becken, mit dem Rücken zu dem Jungen. Wenn er tatsächlich über Grips verfügte, würde sie ihm jetzt eine Heidenangst einjagen, aber das war in Ordnung. Wenn er keine Angst hatte, dann wäre er ein Dummkopf, trotz allem, was Selenia sagte. Und wenn er Angst hatte, aber log, konnte sie ihm nicht vertrauen. Wenn er aber zugab, dass er Angst hatte, dann hatte er Potential. Und eigentlich sollte er wissen, dass sie nicht mochte, wenn er log, denn das hatte sie bereits gesagt.
Kurz atmete Lamia durch, dann entfalteten sich auf ihrem Rücken ein paar riesiger, weißer Phönixflügel mit rotgoldenen Spitzen, übersäht mit kleinen weißen Flämmchen. Auch ihre Haare schienen nur noch aus weißen Flammen zu bestehen, aus jeder Pore ihres Körpers züngelte weißes Feuer und es schien, als loderte dieses Licht auch in ihrem Körper, so leuchtete ihre Haut. Langsam drehte sie sich zu ihm um und es wurde ersichtlich, dass auch ihre Augen weiße Flammen zu sein schienen. Selbst für die meisten Vampire war sie eine furchterregende Erscheinung, zumal Feuer eine der wenigen Möglichkeiten war, einen Vampir zu töten.
„Hast du Angst, Caleb?“, fragte sie ruhig. Ihre Stimme hatte, anders als ihr Äußeres, nichts Drohendes, sondern war freundlich und sanft. Aber nach der Antwort ließ Lamia das Feuer wieder verschwinden und kniete sich vor den Jungen.
„Es ist keine Schande, Angst zu haben“, erklärte sie leise.
„Ich höre, wie dein Herz klopft und rieche das Adrenalin, das dich aufputscht. Im Moment könntest du schneller rennen, weiter springen und dich mit mehr Kraft verteidigen, als das sonst der Fall wäre. Angst ist wie eine geheime Supermacht, sie ist keine Schwäche. Angst lässt dich überleben, Angst lässt dich eine Gefahr erkennen. Stell dir vor, wie es wäre, wenn du keine Angst kennen würdest. Du hast auf der Straße gelebt, stell dir vor, du hättest vor keiner drohenden Gefahr Angst gehabt – du wärst sicher nicht mehr am Leben.“
Sie erhob sich und deutete leicht auf das noch immer in der Vertiefung brennende, weiße Feuer.
„Dir ist zweifellos schon aufgefallen, dass das hier ein merkwürdiger Ort ist und ich möchte für Klarheit sorgen: Die meisten der Bewohner sind keine Menschen, wir sind Vampire. Wesen, die – in der Regel – nur in der Dunkelheit das Haus verlassen können und Blut trinken. Nein, ich werde nicht von dir trinken. Jetzt sowieso nicht. Aber ich will sicher gehen, dass dir bewusst ist, dass das hier nicht der sicherste Ort für dich ist. Ich werde dir nichts tun, das schwöre ich bei meiner Familie, die mir heilig ist, aber ich bin nicht die einzige Vampirin hier und deswegen wollte ich sicher gehen, dass du auf deine Angst hörst. Ich kann dir einen kleinen Begleiter erschaffen, den du zu mir schicken kannst, wenn du das Gefühl hast, in Gefahr zu sein. Aber dafür musste ich dafür sorgen, dass du deine Angst nicht als Schwäche siehst, wie es leider viele Menschen tun. Natürlich darf die Angst einen nicht blind machen, aber wenn man sich im richtigen Maß berücksichtigt, lässt sie einen klarer sehen. Ich will verhindern, dass dir etwas zustößt, das ist mir wirklich wichtig. Ich will nicht, dass hier noch jemand Schaden nimmt.“
Den letzten Satz hatte sie eher nachdenklich zu sich selbst gesagt und klang dabei sehr traurig. Dann sah sie Caleb wieder ins Gesicht, völlig offen und ohne irgendetwas zu verbergen.
„Möchtest du noch immer hier bleiben? Wenn ja, dann bleib, ich würde mich freuen, dich besser kennen zu lernen. Wenn nicht, dann werde ich sehen, ob sich irgendwo eine gute Anstellung für dich finden lässt, irgendetwas könnte ich sicher arrangieren. Du bist also wegen deiner Zukunft nicht dazu gezwungen hier zu sein – wenn du bleibst, dann, weil das dein Wille ist.“
Lamia hatte den Kopf nun leicht zur Seite gelegt und lächelte Caleb wieder an. Es war ein absolut harmloses Lächeln. Es war sanft und etwas traurig, ein wenig erfahren vielleicht. Es war das Lächeln einer Person, die ein breites Spektrum negativer Gefühle kannte und verhindern wollte, dass noch jemand fühlen musste, was sie fühlte, wann immer sie die Augen schloss. Lamia kannte die Trauer um geliebte Personen und die Wut und den Hass, den man für die Schuldigen an dieser Trauer empfand, den Schmerz und die Verzweiflung, wenn trotz all dem Hass der Verlust nicht rückgängig zu machen war und sie wusste nur zu gut um das blinde, verheerende Wüten, das folgte, wenn man verzweifelt versuchte, all diese Gefühle auszuschalten, zu unterdrücken und durch etwas anderes zu ersetzen, wenn alles einfach nicht mehr genug war um diese gierigen Rachegeister zu sättigen. Lamia kannte das alles zu gut und sie hatte sich entschieden, nicht verbittert zu sein. Sie wollte der Schuldigen nicht diese Macht über sie verleihen. Es gab nur einen Weg, sich davon zu befreien und der hieß, zu verzeihen, so unverzeihlich auch war, was geschehen war, denn nur so erlangte sie die Macht über sich selbst zurück.
Lamia hatte all das bereits erlebt und sie wusste, dass die diesen Schmerz festhalten musste, um zu verhindern, dass das noch einmal geschah, um sich daran zu erinnern, dass Rache vielleicht kurze Befriedigung versprach, aber nur zu verzeihen, konnte befreien. Und das Wissen um all das und die Entscheidung, die sie getroffen hatte, hatten sie weniger rebellisch und dafür sanfter gemacht.



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Caleb Alagos
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BeitragThema: Re: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   12.03.16 23:33

Der junge Caleb sah zu der Frau, Lamia und er lauschte ihren Worten.
Er war etwas irritiert gewesen, als sie meinte sie würde ihn nicht als Sklaven brauchen.
Denn ihre Aufgabenbeschreibung deutete doch etwas darauf hin.
Oder hatte er dies mit dem Kämmerer, dem Mundschenk verwechselt?
So ganz genau kannte er sich damit nicht aus, er war der Sohn eines hohen Lords, dem seine Heimat genommen wurde.
Als die schwarzhaarige Frau von Lehren sprach, wurden seine Augen groß, was würde sie ihn Lehren?
Den Waffenkampf, Anatomie, Sprachen, fremde Kulturen, oder etwas vollkommen anderes?
Caleb war neugierig, und wissbegierig.
Er wollte so viel lernen und wissen wie es ging.
Caleb hätte nicht einmal ein Problem mit den merkwürdigen Dingen von denen Selenia gesprochen hatte.
Außerdem ging Caleb davon aus der er von diesen seltsamen Dingen erst etwas erfahren würde wenn die Gruppe, die Familie ihn als Vertrauenswürdig genug einstufen würde.
Wie falsch er damit lag, das sollte er sofort erfahren.
Sein Blick folgte der Frau, als diese aufstand und aus irgendeinem merkwürdigen Grund schlug ihm das Herz bis zum Hals.
Was tat sie jetzt? Zog sie sich aus? Musste er mit ihr...?
Doch keine seiner Gedanken kamen auch nur im entferntesten dem Nahe, was er tatsächlich zu sehen bekam.
Es war eigendlich nichts bedrohliches, und doch konnte der Junge kaum begreifen was er da sah.
Er sah wie ihr plötzlich Flügel aus dem Rücken wuchsen, schöne, prächtige Schwingen, die in Flammen zu stehen schienen.
Caleb blinzelte, und plötzlich schien die Frau in Flammen zu stehen, nein das Feuer war in ihr.
Caleb war, ohne es zu wollen aufgesprungen.
Was geschah mit ihr? Fing gleich alles an zu brennen?
Caleb musste an sein zu Hause denken, das ebenfalls brannte.
Der kleine Junge wollte um Hilfe rufen, doch über seine Lippen kam kein Wort- und dann Sprach Lamia als wäre nichts.
Caleb nickte, denn seine Angst zu leugnen wäre sinnlos, wo er da hockte, und eine Salzsäule vermutlich mehr Leben inne hatte als er selbst.
Zudem war Lamia viel zu clever, sie würde sofort durchschauen wenn er sie anlog.
Außerdem hatte sie wohl recht. Im Augenblick könnte er wohl mehr bewerkstelligen, höher Springen, schneller rennen als sonst.
Und dann war es vorbei.
Caleb verfiel in nachdenkliches Schweigen, Lamias Worte, über Vampire, und das er hier nicht 100% sicher war, das mochte stimmen.
Doch da draußen war er auch nicht sicher.
Die Nordmänner hatten im Süden Kontakte, ihm drohte also so oder so die Gefahr ausgeliefert zu werden.
Denn wenn die Falschen ihn erkannten- Caleb zwang sich seinen Gedanken zu unterbrechen.
Und da war noch etwas, er wusste nicht was genau es war, doch tief in sich spürte er das dieser Pfad der richtige war.
Es war wie eine innere Eingebung die ihm riet hier zu bleiben.
Die ihm riet alles auf sich zu nehmen und alles zu tun was ihm gesagt wurde.
Caleb beschloss auf sein Gefühl zu vertrauen, und er nickte schließlich.
"Ich bleibe.", antwortete er, und er spürte eine Ruhe, eine Sicherheit die er das letzte Mal vor langer langer Zeit gespürt hatte.
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Lamia Lacrima
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BeitragThema: Re: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   13.03.16 1:09

Prüfend betrachtete Lamia das Gesicht des Jungen, bevor sie leicht lächelte und nickte.
„Es freut mich sehr, dich hier willkommen zu heißen, Caleb“, meinte sie lächelnd, reichte ihm die Hand und erhob sich dann wieder.
„Ich denke, dann sollte ich dir am besten erst mal das Anwesen zeigen. Es ist ziemlich groß und du solltest dich nicht verirren. Aber vorher: Ich hatte ja gesagt, dass ich dir einen Begleiter erschaffen kann. Du brauchst auch keine Angst vor ihm haben – weder vor ihm, noch vor dem weißen Feuer. Es wird dich nie verletzen, im Gegenteil, es heilt Wunden.“
Sie streckte eine Hand aus und das weiße Feuer, das auf ihrer Handfläche tanzte, wurde zu einem kleinen Vogel.
„Der Phönix ist gewissermaßen das Tier, das mich begleitet. Du kannst diesen kleinen Phönix zu mir schicken, wenn du mich brauchst. Du kannst auch mit ihm reden und ihm eine Nachricht für mich mitgeben. Im Moment kann er einfach auf deinem Arm sitzen, wenn das für dich in Ordnung ist, aber wir finden sicher eine Art Bulla für dich, in der er Platz findet. Wir müssen dich auch noch jedem hier vorstellen, damit sie wissen, dass du zu mir gehörst. Das wird hoffentlich für ein wenig Sicherheit sorgen. Ich bin hier ziemlich angesehen“, meinte sie und zwinkerte ihm verschwörerisch zu.
„Du kannst mich übrigens alles fragen, was du möchtest, halte dich da nicht zurück. wenn ich auf etwas nicht antworten möchte, dann werde ich dir das sagen, die Frage nehme ich dir aber nicht übel. Ach ja, es ist übrigens absolut in Ordnung, wenn du mich Lamia nennst und mich duzt. Gut, dann fangen wir mal gleich hier an. Wenn du möchtest kannst du hier ein Zimmer beziehen, es sind einige frei.“
Sie führte ihn einen Stock höher und dort in einen Raum, der eine Küche darstellte. Als sie den Raum betraten, öffneten sich gerade Löcher in die Außenwand. Eine andere Vampirin, die Stein und Fels kontrollieren konnte, hatte das gesamte Anwesen sonnensicher gemacht, das bedeutete, dass bei Tag höchstens Fensterillusionen von außen gesehen werden konnten, die tatsächlichen Fenster zeigten sich erst bei Nacht. Das war ein ausgetüfteltes System, das die Gaben einiger Vampire kombinierte, so brannte Lamias Feuer auch auf dem ganzen Anwesen und erhellte jeden Raum, spätestens wenn jemand eintrat, ohne, dass sie daran denken musste.
„Die Fenster öffnen sich erst bei Nacht“, erklärte sie, als ihr klar wurde, dass das für ihren Begleiter kein so gewöhnlicher Anblick war, wie für sie.
„Die meisten Vampire sind, wie gesagt, sehr anfällig, was Sonnenlicht angeht, deswegen diese Vorkehrung. Wie auch immer, hier in der Küche findest du einerseits einen Vorrat an Blut. Du scheinst etwas Latein zu beherrschen, oder? Ich werde dir beibringen, es perfekt zu sprechen, da hier die meisten Latein sprechen. Kannst du lesen? Ich werde vermutlich meist länger wach sein als du. Für Menschen ist das Sonnenlicht wichtig, glaube ich, es würde sich daher empfehlen, dass du nicht die ganze Nacht wach bist und noch genug vom Tag mitbekommst, damit du genügend Sonnenlicht spüren kannst. Ich möchte immerhin nicht, dass du deswegen krank wirst. Solange du noch Latein lernst, werde ich dir immer sagen, welches Blut du mir bitte am nächsten Abend in einem Kelch hoch bringst, später werde ich dir vermutlich auf einer Wachstafel einige Aufgaben aufschreiben. Wir werden hier auch ein paar normale Nahrungsmittel aufbewahren, damit du etwas essen kannst. Die Hauptmahlzeit kannst du, denke ich, mit den anderen menschlichen Bewohnern im Hauptgebäude einnehmen“, erklärte sie. Lamia öffnete noch einige Schränke, erklärte ihm wo was war und zeigte ihm dann die Aufenthaltsräume auf der gleichen Etage – eine kleine Bibliothek, einen Gesellschaftsraum, einen Raum für das gemeinsame Speisen und so weiter –, ehe sie mit ihm einen Stock höher stieg.
„Hier kannst du ruhig jedes Zimmer einfach mal ansehen, das, das dir am besten gefällt, kannst du dann beziehen“, meinte sie lächelnd und lehnte sich gegen das Geländer, das zur Mitte des Gebäudes den Gang begrenzte. Von diesem runden Gang gingen einige Zimmer ab, manche waren größer, manche etwas kleiner, welches Caleb beanspruchen wollte, stellte sie ihm frei. Außer ihnen beiden wohnte im Moment niemand in diesem Haus, er hatte also freie Auswahl. Anschließend würde sie ihm ihr Reich im Stock darüber zeigen, insbesondere ihren Arbeitsbereich, denn es war gut denkbar, dass sie ihn darum bitten würde, ihr dort bei manchen Arbeiten zur Hand zu gehen.



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Caleb Alagos
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BeitragThema: Re: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   20.03.16 0:02

Caleb hing gebannt an den Lippen seiner neuen Herrin. Es störte ihn nicht im geringsten das er vom Sohn eines Lords zu einem Diener abstieg.
Er betrachtete es glückliche Fügung. Die Vampirin, der Kleine konnte es noch immer kaum fassen das es die finsteren Kreaturen aus den Sagen tatsächlich gab, schien ihn unter ihren Schutz zu stellen.
Und wenn er seine Sache gut machte würde sie ihm vielleicht dabei helfen seine Heimat zurück zu bekommen.
Die Augen des Jungen wurden Tellergroß, als plötzlich ein weiser Phönix erschien, und neugierig streckte er seine Hand aus, jedoch nur um sie dann wieder zurück zu ziehen.
Das Feuerwesen faszinierte den Kleinen, und seine Augen begannen regelrecht zu leuchten als Lamia sagte der Feuervogel könne auf seinem Arm sitzen.
Caleb schob den Ärmel seines Hemdes nach oben, und er nickte einfrig.
Ihm hatte es die Sprache verschlagen, so verblüfft war er, doch seine Reaktion offenbarte eigendlich alles.
Als sie meinte sie wäre angesehen, und ihm dabei zuzwinkerte, lächelte der Junge ein wenig nervös, ihre Worte glaubte er ihr sofort.
Sie hatte eine Ausstrahlung die ihn faszinierte, aber auch ein wenig beängstigte.
Er schätzte sie als der Typ ein in dem man einen sehr guten Freund fand, aber auch seinen schlimmsten Feind wenn man es sich mit ihr verscherzte.
'Sie wäre eine gute hohe Lady', schoss es dem Jungen durch den Kopf, er schüttelte diesen Gedanken jedoch sofort wieder ab.
Was sie allerdings mit Bulla meinte, das wusste er nicht, doch er wusste das er es früher oder später erfahren würde.
"Woher kommt er?", fragte der Junge, und er meinte damit den kleinen Phönix, denn so einen hatte er noch nie gesehen.
"Hat er einen Namen.", fragte er dann weiter neugierig nach, ehe er rasch seinen Mund schloss.
Das waren sicher ein paar Fragen zu viele gewesen.
Mit fest aufeinander gepressten Lippen folgte er seiner neuen Herrin, und sie führte ihn gerade in die Küche, als die Wände plötzlich zu bröckeln schienen, zumindest sah es für den Jungen so aus.
"Die Wän...", begann er erschrocken, als Lamia ihm auch schon erklärte was es mit dieser merkwürdigen Erscheinung auf sich hatte.
"Das geht?", fragte der kleine Caleb verblüfft, und er fragte sich was noch alles möglich sein mochte.
Anscheinend sehr viel, denn er hatte noch nie gesehen wie sich Steine einfach so zur Seite schoben.
Caleb starrte noch immer auf die Fenster die nun zu sehen waren, als Lamia ihn aus seinen Gedanken riss.
"Ich habe euerer Freundin Selenia aufmerksam zugehört.", erklärte er dann, und er war ein wenig stolz auf sich das er ein paar Brocken Latein offenbar annehmbar gesprochen hatte.
"Natürlich, ich werde mich anstrengen eure Sprache zu lernen.", versprach er aufrichtig.
Caleb prägte sich alles ein und er schluckte sein Entsetzen hinunter das Lamia von Blut sprach, als spreche sie über Wein.
Er wollte hier bleiben, also musste er lernen damit umzugehen.
"Darf ich es anfassen?", fragte er schließlich, und er zeigte auf einen Krug mit Blut.
Er wollte es in die Hand nehmen um seine Skrupel, die ihn beschlichen, zu verjagen.
Der Junge sah sich neugierig um, und er fand sogleich ein Zimmer das ihm gefiel. Es war ein kleines, und das Fenster gewährte einen Ausblick in den Wald, so hatte er ein bisschen Heimatgefühl in der Fremde der Toskana.
"Das.", antwortete er also, denn er hatte sich wirklich in diesen kleinen Raum verliebt.
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Lamia Lacrima
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BeitragThema: Re: [30.03.93 - XX v. Chr.] Der erste Iúlier | Imperium Romanum   20.03.16 22:24

Amüsiert beobachtete Lamia das Zusammenspiel zwischen dem Jungen und dem Feuerwesen, wie neugierig er es beobachtete, bis es schließlich auf seinem Arm Platz fand. Es freute sie zugegeben sehr, jemanden mit einer solchen „Kleinigkeit“ so zu faszinieren. Erst dadurch bemerkte sie auch, dass für alle anderen soetwas viel zu alltäglich war. Sie konnten nicht mehr staunen.
Und Lamia entging auch nicht, wie das Kind sie ansah, mit dieser Bewunderung. Eigentlich war Lamia solche Blicke gewöhnt, sie wurde nicht zum ersten Mal bewundert, verehrt, vergöttert … Aber zum ersten Mal wieder von einem Menschen, seitdem sie den Kult beendet hatte. Es beruhigte sie zugegeben sehr, dass sie keinerlei Risiko eines Rückfalls verspürte.
„Nun, du musst wissen dass es neben unserer Realität noch andere Realitäten unserer Welt gibt. Die Fähigkeit das Feuer zu beherrschen eröffnet mir die Möglichkeit, immer wieder einen kleinen Übergang zwischen beiden Welten zu schaffen. Diese Realitäten fließen ineinander und verschwimmen ein wenig. Das sieht man daran, dass es auch in unserer Welt Feuer gibt und nicht nur in dieser anderen, zu der ich eine besondere Verbindung habe. Das ist eine Realität, die ganz und gar aus Feuer geschaffen ist, voller Feuerwesen und Feuergeister. Aber das Feuer steht noch für mehr. Beispielsweise geschieht dort nichts halbherzig. Was getan wird, wird mit Leib und Seele getan – oder gar nicht. Der Phönix ist ein Geist aus dieser Feuerwelt und hat den kleinen Durchschlupf, den ich mit meinem Feuer geöffnet habe, genutzt. Die Form eines Phönixes hat er durch meinen Willen erhalten. Und selbstverständlich hat auch dieses Lebewesen einen Namen, nur ist der in der Sprache des Feuers und hast du dem Feuer schon mal gelauscht? Knistern, Knacken, Zischen … Wir sind nicht gewohnt, solche Laute auszusprechen. Aber du kannst ihm sicher eine Art Spitzname geben. Wenn der Name ihm gefällt – oder eben nicht – wird er dir das sicher zeigen“, stellte sie schmunzelnd fest.
Auch bei seiner überraschten Reaktion auf die sich öffnenden Fenster musste sie leise schmunzeln. Ebenfalls eine Kleinigkeit, die für sie völlig normal war.
„Oh ja. Caleb, du bist hier an einem Ort, an dem so ziemlich alles möglich ist. Nun ja, so einiges zumindest“, fügte sie nachdenklich hinzu, ließ das Thema aber ruhen, als er Selenia erwähnte. Lamia runzelte leicht die Stirn.
„Selenia kann absolut reizend sein und ich gebe zu, dass sie mir sehr, sehr wichtig ist, aber keiner von uns beiden sollte den Fehler begehen, ihr allzu leichtfertig zu vertrauen. Ich denke nicht, dass sie dir etwas antun würde, da sie es war, die dich hergebracht hat, aber es könnte sein, dass sie versucht, dich auszuhorchen oder zu manipulieren. Sie ist mit Vorsicht zu genießen. Weißt du, wie ich die Fähigkeit besitze, dem Feuer meinen Willen aufzuzwingen, besitzt Selenia die Fähigkeit die Realität ihrem Willen zu beugen. Besonders wenn sie anwesend ist, solltest du dich also regelmäßig fragen, ob du etwas Bestimmtes vorher schon gewollt hättest. Das ist zwar keine zuverlässige Methode, aber ab und an kann man sich so widersetzen, wenn es ihr nicht ganz so wichtig ist“, erklärte sie ihm sehr ernst. Sogar etwas Sorge schwang in ihrer Stimme mit. Sie war sich nicht sicher, was Selenia beabsichtigte und sie wollte den Jungen lieber vorwarnen.
„Nun, du könntest mir im Gegenzug auch deine Sprache beibringen. Wenn ich richtig liege, kommst du aus den nördlichen Provinzen der Gemeinschaft. Ich kenne ein paar Vampire von dort, aber meine Kenntnisse deiner Sprache sind sicher sehr gering und dann noch ungeübt“, gab sie mit einem verlegenen Lächeln zu.
Seine Bitte, den Krug mit Blut anfassen zu dürfen, überraschte sie etwas, aber sie nickte.
„Natürlich, nur zu, wenn du das möchtest.“
Sie machte eine kleine Handbewegung und sah ihm aufmerksam zu. Zugegeben, sie kam nicht sofort auf die Idee, dass er das tat, um sich an den Gedanken von Blut in einem Krug zu gewöhnen. Aber als ihr das klar wurde, konnte sie sich auch nur sagen, dass das eben eine Sache war, mit der er würde zurechtkommen müssen.
„Stell dir vor, es wäre Wein. Wenn ich trinke brauchst du nicht dabei sein, keine Sorge. Vielleicht hilft es dir ja auch zu wissen, dass es für Vampire anders schmeckt. Nicht metallisch oder salzig. Kein Blut schmeckt gleich, manches erinnert eher an heiße Schokolade, anderes an Fruchtsaft und dann gibt es noch Blut das etwas wie ein warmes Kräutergetränk schmeckt, es sind immer andere Nuancen. Ich kenne Vampire, die herausschmecken können, zu welchem Mensch das Blut gehörte.“
Etwas verlegen fuhr Lamia mit einem Finger über die Rückseite ihrer rechten Ohrmuschel. Sie wusste nicht recht, ob sie es nun besser oder schlechter gemacht hatte.
Das Aussuchen des Zimmers ging dann wieder leichter. Als Caleb seine Wahl getroffen hatte, nickte sie mit einem Lächeln und strich leicht mit den Fingerspitzen über die Holztür, woraufhin der Schriftzug „Caleb“ mit kleinen weißen Flammen erschien.
„Sehr schön. Dann zeige ich dir noch mein Reich und danach sehen wir mal rüber zum Hauptgebäude. Dort gibt es dann sicher etwas für dich zu essen und ich werde mal nach Kleidung und einer Bulla für dich fragen“, stellte sie fest und ging mit ihm einen Stock höher in das oberste Geschoss, ihr Reich. Durch die geöffneten Fenster blies ein warmer Abendwind durch das Geschoss und ließ die seidenen Vorhänge, die die Bereiche trennten leicht flattern.
Lamia zeigte ihm alles, insbesondere ihren Arbeitsbereich.
„Hier verfolge ich ein paar Zweige meiner Familie zu Menschenzeiten und kümmere mich um die Besitzungen, die an mich gefallen sind oder die ich erstanden habe. Dieses Gut hier ist ein Beispiel dafür. Nachdem ich verschwunden bin, hat sich mein Großvater in seiner Trauer hier her zurückgezogen und lebte hier bis zu seinem Tod. Auf dem Gelände findet sich sein Grab, eine Stele in die die Urne eingestellt und hinter einer goldenen Platte mit Inschrift verborgen wurde. Außerdem wirst du auf dem Gelände einige Statuen finden, die verschiedene Göttinnen mit meinem Gesicht darstellen. Die Statuen wurden damals von meinem Großvater in Auftrag gegeben, lass dich davon also nicht verwirren“, erklärte sie. Schließlich ging sie mit ihm zum Hauptgebäude, stellte Caleb dort der menschlichen Belegschaft vor und bedeutete ihm, ruhig mit den anderen zu essen. Sie selbst begab sich in der Zeit zu einer Lagerkammer und suchte nach Kleidung, die passen könnte. Sie fand eine dunkelgrüngraue Tunika mit einem hübschen hellen Saum und einem dazu passenden Gürtel, ein paar Sandalen, die passen könnten und erfreulicherweise auch eine Bulla, die sie einer Freundin geben würde, damit die Bulla zeigte, zu wem der Junge gehörte.



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